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nung wurde: der Mensch hübe nur an seiner sinnlichen Naturverloren, seine Vernunft aber sey gänzlich und sein Willegrößtenteils unversehrt geblieben. Indessen ging die Redein Aller Munde: die natürlichen Gaben seyen im Menschenverdorben, die übernatürlichen aber ihm entzogen. Aberwas das sagen will, davon hatte der Hundertste kaum eineAhndung. Wenn ich von dem natürlichen Verderben einelichtvolle Erklärung geben will, so lasse ich mir gern andiesen Worten genügen. Aber hiebei ist die genaue Bestim-mung gar sehr nöthig, was der Mensch noch vermöge, da erin allen Theilen seiner Natur verderbt, und der übernatür-lichen Gaben beraubt ist. Mit zu viel Liebe zur Philosophiehaben diejenigen hiervon geredet, die Christi Jünger zu seynsich rühmten. Denn als ob der Mensch noch im Zustandeder Reinheit und Unschuld sich befände, behielten die latei-nischen Kirchenlehrer die Benennung Uberuin arbitriurn d.i.„freier Wille" bei. Die griechischen Kirchenlehrer aberschämten sich nicht/das noch weit vermessenere Wort «üre-SLmoL d. i. „einer, der aus eigenem Vermögen etwas thut," Ivom Menschen zu gebrauchen, als wenn dieser wirklich seinerselbst Gewalt hätte. Wenn denn Alle bis zum großen Hau- >fcn herab die Meinung hatten, daß der Mensch freien Wil-len habe; aber Einige von ihnen, selbst die, welche für die ivornehmsten gelten wollen, nicht wissen, wie weit sich dasausdehnen lasse: so will ich vorab die Bedeutung diesesWortes erforschen, und denn aus den klaren Worten derSchrift des Menschen natürliches Vermögen zum Gutenoder Bösen darstellen. Eine Definition des freien Willens,wiewohl dieses Wort in ihren Schriften mehrmals gefundenwird, haben Wenige geliefert. Doch scheint Origencs'),im Einverständniß mit ihnen, denselben so erklärt zu ha- kben: „das Vermögen der Vernunft ist Gutes und Böses zuunterscheiden; des Willens, das Ein, ödere Andere zu
wählen." Pugustinus") weicht nicht von ihm ab, wenn er >'
1) Ol'menes seu cte prliicipiis liv. 3. 2) Wie PcM>?
LombarduS erzählt Lemeiinsruin Iil>. 2, Nist. 24.