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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Vernunft des menschlichen Geistes genüge zur richtigen Lei-tung ; der damit verbundene Wille werde zwar von derSinnlichkeit zum Bösen angereizt, da er aber eine freieWahl habe, so könne nichts ihn verhindern, von der Ver-nunft sich überall leiten zu lassen.

4. Obgleich unter den Kirchenlehrern keiner war, dernicht erkannt hätte, daß die Vernunft im Menschen durch dieSünde sehr verderbt, und der Wille von bösen Begierden um-strickt sey; so näherten sich doch viele von ihnen in ihrenMeinungen den Philosophen mehr, als recht und billig. Diealtern Lehrer besonders haben, wie ich glaube, deßhalb diemenschlichen Kräfte so gepriesen, um durch das Bekenntnißdes gänzlichen menschlichen Unvermögens theils nicht dasGelächter der Philosophen zu erregen, mit denen sie da-mals im Streite waren, theils um dem an sich selbst schonzum Guten allzu trägen Fleische nicht von neuem Ver-wand zu mnthloser Unthätigkeit zu geben. Um nun nichtetwas zu lehren, was nach dem allgemeinen Urtheile abge-schmackt war, bemühten sie sich, die Lehre der Schrift mitden Lehrsätzen der Philosophen zur Hälfte in Uebereinstim-mung zu bringen. Vornämlich thaten sie das, wie aus ih-ren eigenen Worten erhellet, um der trägen Muthlosigkeitkeinen Vorschub zuthun. So sagt Chryso st o mu s :DaGott Gutes und Böses in unsere Gewalt gab,sohaterunszurWahl den freien Willen ge-schenkt, und hält Keinen wider seinen Willenzurück, sondern die da wollen, nimmt er an."Eben so:Oft wird der Böse, wenn er will, ineinen Guten verwandelt, und der Gute ver-schlimmert sich durch seine Sorglosigkeit, undwird böse; und dies daher, weil der Herr unse-rer Natur freien Willen verlieh, und feinenZwang auflegt, sondern der Gebrauch der dar-gebotenen passenden Mittel ganz der Entschlic-

1) Iiornilia tZ. in Ocnesin.