247
sagt'), hierhin und dorthin gezogen wird. Eben so behauptetCicero^), daß die von Natur in uns gelegten Fünkchen desGuten durch böse Meinungen und Gewohnheiten bald ausge-löscht werden. Wenn aber dergleichen Begierden in der mensch-lichen Seele erst Raum gewonnen haben:'so werden sie, ih-rer eigenen Meinung nach, so heftig, daß sie sich schwerin Schranken halten lassen; ja sie tragen kein Bedenken,dieselben mit unbändigen Pferden zu vergleichen, die ihrenReiter abwerfen, und nun frei ihr wildes Wesen treiben.Jedoch das nehmen sie als erwiesen an^), daß Tugend undLasier in unserer Macht stehen. Denn sie schließen: Eshängt von unserer Wahl ab, dies oder jenes zu thun, folg-lich auch, es nicht zu thun; und umgekehrt: es nicht zuthun, folglich auch es zu thun. Da wir nun mit freierWahl thun, was wir thun, und unterlassen, was. wir un-terlassen; so können wir folglich, wenn wir Gutes thun,dasselbe auch, sobald wir wollen unterlassen, und wennwir Böses thun, können wir dasselbe auch meiden. Sogarbis zu der Unverschämtheit verirrten sich einige unter ih-nen^), daß sie sagten: „der Götter Geschenk sey unser Le-ben, aber ein gutes und heiliges Leben hange von uns ab."Dahin gehört, was Ciceros den Cvtta sagen läßt: weil dieTugend eines jeden eigenes Werk sey, so habe auch nochniemals ein Weiser dafür Gott Dank dargebracht. „Dennder Tugend wegen werden wir gelobt — spricht er— uud der Tugend rühmen wir uns. Das wür-de unmöglich seyn, wenn sie Gottes Geschenkund nicht unser Werk wäre." Und kurz nachher heißtes: „Das Glück müsse man sich von Gott erbit-ten, aus sich selbst aber die Weisheit nehmen."Die Meinung aller Philosophen ist also kürzlich diese: die.
1) <lv Il.e°)l>us lib. 1. 2) ?uzeulznaeum äls^mationuin Iil>. 3, c. 1.PSA, 117. Wolüi. Dixs. 1792. 3) Siehe 4.1'istmelis kitiiic.Iil>. 3. c. S. 4) So Senecn hie und da in seinen Schriften. 5) Ds»slur» äeorum 1ll>, 2.