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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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246
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lich rechnen die Vernunft zum Erkenntnißvermögen, undsagen , daß sie gleich einer Fackel allen Entschließungen vor-leuchte, und wie eine Königinn den Willen lenke. Sie sey der-gestalt vom göttlichen Lichte durchdrungen, daß sie am be-sten rathen, und beweise sich von solcher Kraft, daß sie ambesten gebieten könne. Die Sinnlichkeit dagegen sey mitTrägheit und Blindheit behaftet, immer dem Irdischen an-klebend, und in gröberem Stoffe sich wälzend, so daß sieniemals zu richtiger und deutlicher Einsicht sich erhebe. DaSBcgehrungsvermögen, wenn es der Vernunft gehorche, undsich nicht von der Sinnlichkeit beherrschen lasse, könne zurTugend sich erheben, auf dem rechten Wege bleiben und einWille werden; aber weil es sich zum Sklaven der Sinn-lichkeit machen lasse, so werde es von derselben verderbt,und arte in böse Lust aus. Und da überhaupt, ihrer Meinungnach, die obgcnannten Seclenkräfte, nämlich Erkenntnißvcr-mögcn, Sinnlichkeit und Begehrungsvermögen oder Wille, sichzusammen im Menschen befinden: so behaupten sie, daß dasErkenntnißvermögen der Vernunft theilhaftig sey, der be-sten Führeriun zu einem frommen und seligen Leben; nurmüsse es sich in seinem Vorzuge behaupten, und die ihmvon Natur ancrschassenc Kraft gebrauchen. Das niedereVermögen aber, Sinnlichkeit genannt, durch welche derMensch zu Irrthum uud Leichtsinn hingezogen wird, könnedurch den Stab der Vernunft nach und nach geschwächt undgebändigt werden. Zwischen Vernunft und Sinnlichkeit wei-sen sie dem Willen seine Stelle an, und legen ihm Vermö-gen und Freiheit bei, entweder der Vernunft zu gehorchen,oder sich dem Dienste der Sinnlichkeit Preis zn geben/

3. Nun leugnen sie es zwar nicht, ohne Zweifel durchihre eigene Erfahrung belehrt, wie schwer es bisweilen demMenschen werde, der Vernunft die Herrschaft bei sich zusichern, indem er bald durch die verführerische Stimme derWollust gelockt, bald durch die Truggestalt der äußernDinge getäuscht, bald durch ungezähmtc Begierden über-wältigt: und gleichsam mit Stricken und Fäden, wie Plato.