keit nicht eigenen Gütern, sondern der Mittheilung Gotteszu verdanken battc. Was bleibt ihm also jetzt in seinemarmseligen Zustande anders übrig, a!6 Gott gegen dessenGüte er sich nicht dankbar beweisen konnte, da er im vollenBesitze seiner Gnadenschätze war, für seinen Herrn anzuer-kennen; und den, welchen er durch Bewahrung seiner Vor-züge nicht ehrte, nun wenigstens durch das offene Bekennt-niß seiner Hülfsbedürftigkeit zu verherrlichen? Jedoch istes meine Meinung, nur insofern uns aste Wcisbcit undKraft zum Guten abzusprechen, als es zur VerherrlichungGottes gereicht; aber die mehr, als sich wirklich in unsfindet, uns zugestehen, machen sich nicht nur der Gottes-lästerung schuldig, sondern befördern auch unser Verder-ben. Denn wenn man uns ermuntert, ans eigenem Ver-mögen etwas zu vollbringen, so ist das eben so, als wennman uns einen wankenden Rohrstab darreichte, um, aufihn gestützt uns emporzuschwingen: denn bald zerbricht er,und wir stürzen herab. Gleichwohl werden unsere Kräfte,bei ihrer Vergleichuug mit einem Rohrstabe, noch all zu sehrgepriesen. Denn eitel Dampf ist es, was ruhmredige Men-schen von denselben ersonnen haben und schwatzen. Wcßbalbauch nicht unschicklich Augusiinus J den herrlichen Gedankenso oft wiederholt, daß die sebre vom freien Willen durch ibreVertheidiger mehr wankend gemacht, als festgestellt werde.Diese vorläufigen Bemerkungen waren um derer willen nö-thig, die, indem sie vernehmen, wie menschliche Tugeud-kraft von Grund aus zerstört wird, damit Gottes Kraftin dem Menschen erbauet werde, diese ganze Untersuchungals gefährlich, geschweige denn unnütz verwerfen, da siedoch offenbar in der Religion nöthig und für uns sehr heil-sam ist.
2. Oben sind die Kräfte der menschlichen Seele in Er-kcnntnißvermögcn und Willen eingetheilt. Wir wollen nunsehen, was diese beiden vermögen. Die Philosophen frei--
t) In LvimA. ^loli.