242
unverdorbenen Natur Adams müssen mir es suchen. Alsounsere und nicht Gottes Schuld ist unser Verderben, dawir nur dadurch ins Unheil gerathen sind, daß wir vonunserm ursprünglichen Zustande uns entfremdet haben.Keiner entgegne hier, baß Gott für unser Heil habebesser sorgen können, wenn er den Fall Adams verhinderthätte: denn dieser Einwurf zeugt von einem, allen From-men verabscheuungswürdigcn, vermessenen Vorwitz; dazubezieht er sich auch auf das Geheimniß von der Erwählung,welches gehörigen Orts wird abgehandelt werden. So mö-gen wir nun wohl bedenken, daß unser Elend der Verder-bnng unserer Natur zuzuschreiben ist, um nicht in die Ver-suchung zu gerathen, daß wir Gott selbst, den Schöpferunserer Natur, deßwegen anklagen. Wahr ist es zwar,daß dieses Uebel in unserer Natur liegt; aber es ist nichteinerlei, ob es anderswoher in dieselbe Zekommen, oderursprünglich in ihr gewesen ist. Da wir nun bekanntlichdurch die Sünde in dieses Unheil gesunken sind, so habenwir allein über uns selbst zu klagen, wie die Schrift erin-nert. Denn der Prediger Salomo spricht H: ich habe ge-funden, daß Gott den Menschen aufrichtig ge-macht hat; aber sie suchen viele Künste." DerMensch hat offenbar selbst sein klägliches Schicksal sich zu-zuschreiben, da er rein und unschuldig aus den Händen desSchöpfers kam, und nur durch seine eigene Thorheit ineitles, verkehrtes Wesen verfiel.
11. Wir verstehen also unter der Erbsünde eine natür-liche Verderbtheit des Menschen, die aber nicht ursprüng-lich in ihm gewesen ist. Dies letztere verneine ich, undnenne sie lieber eine zufallige, anderswoher in den Men-schen gekommene Eigenschaft, als eine wesentliche, ihmvon Anfang an eigenthümliche Beschaffenheit. Doch bleibeich bei dem Worte „natürliches Verderben," damit niemandes für etwas durch böse Gewohnheit erst Erworbenes, son-
1) Kap. 7, 30.