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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Denn wenn er von der verderbten menschlichen Natur re-det')/ so zeugt er nicht blos wider die sichtbar werdendenungeregelten sinnlichen Neigungen, sondern spricht vornäm-lich von der Blindheit des Geistes und von der Verkehrt-heit des Herzens. Das ganze dritte Kapitel im Briefe andie Römer enthalt weiter nichts, als eine Beschreibung derErbsünde. Das erhellet mehr noch aus der Erneuerung.Denn der Geist, welcher dem alten Menschen und dem Flei-sche entgegengesetzt wird, bezeichnet nicht nur die Gnade,durch welche die untern Seclcnkräfte oder die sinnliche Na-tur des Menschen verbessert werde, sondern die völlige Um-wandlung seines Gcsammtwesens. Darum crmahnet derApostel auchH, nicht blos die thierischen Lüste abzulegen,sondern im Geist unseres Gemüthes uns zu erneuern, undbittet anderswo, uns zu verändern durch Verneuerung un-seres Sinnes. Daraus folgt nun, wie derjenige Theil desMenschen, aus welchem vornämlich der Adel und die Wür-de seines Geistes hervorleuchtet, nicht blos leicht verletzt,sondern dergestalt verdorben sey, daß nicht etwa eine Hei-lung, sondern eine völlige Erneuerung vonnöthen ist. Wieweit in Geist und Herz die Sünde eingedrungen ist, wer-den wir nachher hören. Hier sollte nur kürzlich gezeigt wer-den: der ganze Mensch sey, gleichsam vom Kopf bis zu denFüßen, so vom Gifte der Sünde durchdrungen, daß nichtsohne Sünde an ihm ist, und Alles, was von ihm ausgehe,werde ihm als Sünde zugerechnet; so wie Paulus sagt"):alle fleischlichen Gesinnungen sind eine Feindschaft widerGott und deßhalb der Tod."

10. Mögen nun diejenigen kommen, welche Gott ihreSünden beizumesscn wagen, weil ich die Menschen von Na-tur für Sünder erkläre. Unmöglich kaun man Gottes Werkrecht kennen lernen, wenn man es in dem Zustande seinerEntartung betrachtet. Stur in der noch vvlllommuen und

t) Eph-s. 4, 17. IN 2) Ephes. 4, 23. 24.; Rom. 12, 2. 3) Rom.

8, 6. 7.

Calvins Inst. 1r. Bd. ^