213
wolle die Assyrer gegen das treulose Volk senden und be-fehlen zu plündern und zu rauben, nicht als ob er Gott-lose und halsstarrige Menschen belehren wollte zu freiwil-ligem Gehorsam, sondern weil er sie zwingen will, seineGerichte zu vollziehen, ebenso als ob sie seine Gebore inihre Herzen geschrieben hätten. Daraus erhellt, daß siedurch gewisse Bestimmung Gottes angetrieben worden. Ichgebe zwar zu, daß Gott oftmals vermittelst des Satansauf die Verworfnen wirke, aber so, daß auf seinen Antriebder Satan selbst in seiner Weise wirke und so weit, alsihm verstattet ist. Ein böser Geist beunruhigt Saul, aberes wird gesagt, er sey von Gott, damit wir wissen, daßSauls Raserei aus Gottes gerechter Bestrafung hervorgehe/)Ebenso wird gesagt, daß der Satan die Herzen der Un-gläubigen verblende; aber woher dies anders, als in sofern die Wirksamkeit des Irrthums von Gott selbst her-kommt, so daß diejenigen, welche sich weigern der Wahrheitzu gehorchen, den Lügen glauben?") In ersterer Hinsichtwird gesagt: „Wenn ein Prophet fälschlich etwasredet, so habe ich, derHerr, ihn getäuscht."^) I»zweiter Hinsicht aber heißt es: „er selbst gäbe die Men-schen hin in ihren verkehrten Sinn und in ihrer HerzenGelüste, weil er der Urheber seiner gerechten Bestrafung ist,Satan aber nur ein Diener/) Weit indeß im zweiten Bu-che, wo wir über den freien oder unfreien Willen des Men-schen reden werden, dieser Gegenstand von neuem seine Be-handlung finden wird, so glaube ich hier in der Kürze, soviel nöthig war, gesagt zu haben. Die Hauptsache ist fol-gende: da Gottes Wille als Ursache aller Dinge genanntwird, so wird seine Vorsehung als die leitende Kraft inallen Beschlüssen und Werken der Menschen dargestellt, wel-che nicht bloß an den Auserwählten, die von seinem heil.Geiste regiert werden, sich äußert, sondern auch die Ver-worfenen zum Gehorsam Zwingt.
1) I Sam. ts, 14. 2) 2 Coe. 4, 4- 3) Ez. 14, 9, 4) Röm. 1, 23..