205
ich gebe Frieden und schaffe das Uebel; ich binder Herr, der solches Alles thut." «
9. Jedoch wird der Fromme die geringern Ursachen nichtübersehen. Er wird seine Wohlthäter nicht deshalb, weil ersie für Diener der göttlichen Gnade halt, gering achten, alsob sie für ihre Güte keinen Dank verdient hätten, sondernsich ihnen von Herzen verpflichtet fühlen, und ihnen gernefeine Dankbarkeit gestehen und nach Vermögen durch dieThat erweisen. Gott wird er in den empfangenen Wohl-thaten als den ersten Urheber derselben verehren und prei-sen, aber auch die Menschen als seine Diener achten, undnach Verhältniß der Sache erkennen, daß er nach GottesWillen denjenigen verpflichtet sey, durch deren Hand er ihmseine Güte bewies. Wenn er irgend einen Schaden durchNachlässigkeit oder Unvorsichtigkeit erleidet, so wird er zwarerkennen, daß solches nach des Herrn Willen geschehen sey,aber auch es selbst sich beimessen. Wenn jemand an einerKrankheit starb, welchen er zu pflegen die Pflicht hatte,aber nachlässig behandelte, so soll er, obwohl er weiß, daßjener das Ziel erlangte, dem er nicht entgehen konnte, dochsein Vergehen deshalb nicht geringe achten, sondern weil erseine Obliegenheit gegen ihn nicht treulich erfüllt hat, es ebensohalten, als ob er durch Schuld seiner Nachlässigkeit gestor-ben wäre. Viel weniger soll er bei einem Mord oderDicb-stahl den Betrug und die Bosheit seines Herzens mit demVorwande göttlicher Vorsicht entschuldigen, sondern in sol-cher Frevelthat Gottes Gerechtigkeit und des Menschen Bos-heit, wie beide offenbar sich zeigen, erwägen und betrach-ten. In Hinsicht der Zukunft aber soll er vorzüglich solcheMittelursachen berücksichtigen. Denn er soll es als Segnun-gen des Herrn erkennen, wenn es ihm nicht an menschlicherHülfe fehlen wird, deren er zu seiner Wohlfahrt bedarf;und so soll er nicht unterlassen Rath anzunehmen, nichtträge seyn, sich um den Beistand derjenigen zu bewerben,die ihn unterstützen können, sondern erwägend, daß alleCrcaturen, die ihm hülfreich seyn können, von dem Herrn