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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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nicht dar als in müßigem Zuschauen zögernd, wenn er et-was zulassen will, wo sein, so zu reden, thätiger Willeins Mittel tritt, welcher sonst nicht als Ursache geltenkönnte.

9. Weil aber unser träger Geist tief unter die Höheder göttlichen Vorsicht herabsinkt, so bedarf es, ihn zu un-terstützen, genauer Unterscheidung. Ich will also sagen.Alles, wie es auch nach Gottes Rathschlnß und gewißcr Be-stimmung geordnet werde, ist für uns zufällig; nicht alsob wir glaubten, das Schicksal beherrsche Welt und Men-schen und Alles rolle blindlings seinen Gang wie könn-te solche Tollheit in einem christlichen Herzen wohnen?sondern weil Ordnung, Grund, Zweck und Nothwendigkeitaller Ereignisse größtenteils im Rathe Gottes verborgensind, und von menschlichen Gedanken nicht begriffen wer-den; so ist, was sicherlich aus Gottes Willen entspringt,scheinbar zufällig. Mögen wir sie in ihrem Wesen betrach-ten oder nach unserer Kenntniß und Urtheilskraft richten,ihre Gestalt ist' keine andere. Beispiel halber setzen wir ei-nen Kaufmann, der unter dem Geleite treuer Menschenin einen Wald zieht, dann von seinen Gefährten unvor-sichtig sich entfernt, auf dem Irrwege in die Gewalt einerRäuberbande gcräth und ermordet wird. Sein Tod warnicht blos von Gottes Auge vorhergesehcn, sondern auchdurch seinen Rathschlnß bestimmt gewesen. Denn es heißtnicht'), daß er die Lebcnslänge eines jeden vorhcrgcsehcn,sondern dessen Gränzen festgesetzt und bestimmt habe, überwelche Niemand hinauskönnc. So viel aber unser Verstandbegreift, scheint hier Alles zufällig. Wie wird der Christhier denken? Was einen solchen Todesfall als Mittclum-stand veranlaßt, wird er für natürlich zufällig, wie es inder That ist, erkennen, jedoch nicht zweifeln, daß die Vor-sehung Gottes den Zufall zu ihrem Zwecke geleitet habe.Eben so verhält es sich mit der Zufälligkeit zukünftiger

1) Hiob. 14, S.