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die Bitte um das tagliche Brod nicht im Ernst verstandenwerden, wenn nicht Gott mit väterlicher Hand uns dieSpeise darreichte. Deßhalb, um alle Glaubige zu überzeugen,daß Gott sich in ihrer Ernährung als der gctreuestc Hausva-ter erweise, sagt der Prophet, er gebe allem Fleische seineSpeise. H Endlich wenn wir von der einen Seite vernehmen:„D i e A u g e n des Herrn sehen auf die Gerechten,und seine Ohren hören auf ihr Gebet," undvon verändern: „Das Antlitz des Herrn steht überdie, so Böses thun, daß er ihr Gedächtniß aus-rotte"; so sollen wir wissen, daß alle Kreaturen zu sei-nem Gehorsam bereit sind, um sie zu welchem Zweck er will zugebrauchen. Daraus folgt, wie nicht allein seine allgemeineVorsehung über den Kreaturen walte zur Erhaltung der Na-turordnung, sondern daß sie auf einen bestimmten und eigen-thümlichen Endzwe'ck wirke nach seinem wunderbaren Rath.
8. Diese Lehre verhaßt zumachen, lästern Einige, sie seyder Lehrsatz der Stoiker vom Schicksal, welches auch chmalsdem Augustin vorgeworfen worden. Obgleich wir ungernum Worte streiten, so nehmen wir doch das Wort Schicksal(Fatum) nicht an, theils weil es zur Gattung derjenigengehört, deren profane Erfindung Paulus uns fliehen lehrt,theils weil sie dadurch Gottes Wahrheit in ein falsches Lichtzu stellen suchen. Es ist aber falsch und boshaft-, wennman den Lehrsatz selbst uns schuld giebt. Denn wir erdich-ten nicht, wie die Stoiker, eine in der Natur enthalteneund in einem stetigen Verbände und zusammenhängenderReihenfolge von Ursachen gegründete Nothwendigkeit, son-dern erkennen Gott als den Lenker und Regierer aller Din-ge, der nach seiner Weisheit von Ewigreit her beschlossenhat, was er thun will, und der nun durch seine Macht,was er beschlossen, vollführt. Daher behaupten wir, daßdurch seine Vorsehung nicht nur Himmel und Erde und dieunbelebten Geschöpfe, sondern auch der Meuschen Unter-nehmungen und Vorsatze also regiert werden, daß sie zu
1) Ps. 136, 26.