g. Und fürwahr Gott will seine Allmacht von uns aner-kannt wissen, nicht als eine solche leere, müßige fast schlum-mernde, wie die Sophisten sich einbilden; sondern eine stetswachsame, thätige, wirksame, immerdar handelnde; auch nichtso, daß sie nur der allgemeine Anfang verworrener Bewe-gung sey, gleich einem Strome, den er in den gesetztenUfern dahin fließen heißt; sondern auf jede einzelne und be-sondere Bewegungen einwirkend. Denn darum heißt er all-mächtig, nicht als ob er zwar schaffen könnte, zuweilen aberruhcte und aushörte, oder die einmal gesetzte Naturordnungdurch allgemeinen Trieb fortdauern liesse, sondern weil er,mit seiner Vorsehung Himmel und Erde regierend alles soleitet, daß nichts ohne seinen Willen geschieht. Denn wennin dem Psalm gesagt wird, er mache was er will, so wirddamit sein gewisser und überdachter Wille bezeichnet. Dennes wäre sinnlos, die Worte des Propheten nach philosophi-scher Weise auszulegen, Gott sey das wirkende Erste als An-sang und Ursache aller Bewegung; da vielmehr die Gläubi-gen in Trübsal des Trostes sich freuen, daß sie nichts leidenohne Gottes Fügung und Leitung, weil sie in seiner Handsind. Wenn nun so die Regierung Gottes sich über alle seineWerke erstreckt, so ist es kindischer Spott, sie in den Einflußder Natur einschließen zu wollen. Und fürwahr, diejenigenwelche die Vorsehung Gottes in so enge Gränzen verweisen,als ob er Alles, nach stetigem Naturgesetz, seinem freien Laufüberließe, berauben eben so sehr Gott seiner Ehre, als sichselbst der heilsamsten Wahrhdit. Was wäre elender als derMensch, wenn er jeder Bewegung des Himmels, der Luft,der Erde, des Wassers preisgegeben ist! Dazu kommt, daßauf diese Weise die besondere Güte Gottes gegen jeden ein-zelnen unwürdig verkleinert wird. David sagt'), daß dieSäuglinge an der Mutter Brüsten beredt genug seyen, dieEhre Gottes zu preisen, weil sie nämlich alsbald nach ihrerGeburt die durch himmlische Fürsorge ihnen vereitele Nahrung
t) Pst 8, 3,