wenn du deine Hand aufthust, werden sie mit Gutgesättigt; verbirgst du dein Angesicht, so erschre-cke» sie, du nimmst weg ihren Odem, so verge-hen sie, und werden wieder zu Staub; du läßestaus deinen Odem, so werden sie geschaffen, undverneucrst die Gestalt der Erde.« Ja, wenn sie auchPaulus Aussprüchen beistimmen, daß wir in Gott leben, webenund sind, so sind sie doch noch von dem lebendigen Gefühl derGnade, welche er preiset, weit entfernt, weil sie die besonde-re Fürsorge Gottes, woraus erst sein väterliches Wohlwollenerkannt wird, noch gar nicht schmecken.
2. Um diesen Unterschied deutlicher zu erkennen, muß manwissen, daß die Vorsehung Gottes, wie sie in der Schrift ge-lehrt wird, dem Glück und Zufall entgegengesetzt werde. Dergemeine Wahn aller Zeiten, der auch noch heutiges Tages beiden Meisten gilt, daß alles zufällig geschehe, muß nothwen-dig den Glauben an eine Vorsehung nicht blos verdunkeln,sondern fast vernichten. Wenn Jemand in die Gewalt derRäuber oder wilden Thiere geräth, wenn er plötzlich vonStürmen überfallen auf dem Meere Schiffbruch leidet, wenner durch den Sturz eines Hauses oder Baumes erdrückt wird;wenn ein Anderer in Wüsten umher irrend einen Ausweg sei-ner Noth findet, oder von den Wellen geschleudert in den Ha-fen gelangt, und auf wunderbare Weise um eines FingersBreite dem Abgrunde entrissen wird —alle diese sowohl glück-liche als unglückliche Begegnisse wird die fleischliche Vernunftdem Zufall zuschreiben. Wer aber, durch Christi Mund be-lehrt ist, daß alle Haare seines Hauptes gezählt sind'), wirdden Grund tiefer suchen und überzeugt seyn, daß alle Ereig-nisse von dem verborgenen Rathschluß Gottes geleitet werden.Und in Hinsicht unbeseeltcr Dinge müssen wir dafür halten,daß sie, obwohl von Natur jegliches mit besonderer Eigen-thümlichkeit begabt, doch ohne Leitung der Hand Gottes ihreKraft nicht äußern können. Sie sind also nichts anders, als
1) Matth. 10, 30.Calvins Inst. 1r. Bd.
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