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darf. Denn diese, wenn sie ans das einfachste sich ausdrückenwollen, theilen die Seele in Begehrung und Verstand: aberbeides mach n sie doppelt. Diesen nennen sie zuweilen be-schauend (contemplativ) so fern er, mit bloßer Erkenntniß sichbegnügend, keinen Vcwcgtrieb zum handeln enthalte; zuweilenpraktisch, so fern er durch Erkenntniß des Guten oder Bö enauf verschiedene Weise den Willen bewegt. Hierunter wirddie Wissenschaft gut und recht zu leben begriffen. Jenes, dasBegstwungsvermögen theilen sie in Willen urd Begierde; derWille sey wirksam, wenn die Begierde, oder der Trieb, derVernunft gehorche; Leidenschaft aber, wenn sie, dem Joch derVernunft sich entziehend, in Uumäßigkeit verfalle. Also den-ken sie sich die Vernunft in dem Menschen, als eine Kraft,wodurch er sich selbst auf rechte Weise zu leiten vermöge.
7. Wir fühlen uns gezwungen, von dieser Lehrart einwenig abzuweichen, da die Philosophen, denen das aus derStrafe des Abfalls entsprungene Verderbnis der Natur unbe-kannt war, den zwiefachen sehr verschiedenen Zustand des Men-schen irrig vermischen. So setzen wir also fest, daß in dermenschlichen Seele zwei Vermögen seyen, Erkenntniß und Wil-le. Dem Erkenntnisvermögen gebührt, die Objecte zn unter-scheiden, je nachdem jedem derselben Billigung oder Mißbilli-gung zukommt; Sache des Willens aber ist, das zu wählenund zu thun, was der Verstand für gut erkannt, zu vorab-scheuen und zn fliehen, was er verworfen hat. Mit Ueber-gchung der Spitzfindigkeiten des Aristoteles, welcher behaup-tet, die Seele habe keine Bewegung an ihr selber, sondern dieWahl, welche er den begehrenden Verstand nennt, sey die be-wegende Kraft, begnügen wir uns, mit der Annahme, daßder Verstand gleichsam der Führer und Rcgiercr der Seelesey, der Wille aber auf dessen Wink immer sehe und dessenUrtheil bei seinen Wünschen erwarte. So auch lehrt derselbeAristoteles richtig, in dem Begehrungsvermögen entspreche Ab-scheu und Verlangen dem Bejahen und Verneinen in dem Ver-stände. Wie aber der herrschende Verstand den Willen zu lei-ten vermöge, wollen wir an einem andern Orte sehen; hier