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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Platvs Meinung die richtigere, weil er Gottes Bild in derSeele erkennet. Andere heften ihre Kräfte und Verwegen soan das gegenwärtige Leben, daß sie außer dem Körper nichtsübrig lassen. Ferner haben wir aus der Schrift vorder ge-lehrt , daß sie ein nnkörperliches Wesen sey; jetzt müssen wirhinzusetzen, daß sie, obwohl nicht vom Raum umschlossen,doch mit dem Körper verbunden, in demselben, als ihremSitz, wohne, nicht blos in sofern sie alle seine Theile bede-cket, und alle seine Organe in Thätigkeit setzt, sondern auchdas menschliche Leben beherrscht und regiert, und daß nichtallein in Hinsicht der Pflichten des irdischen Lebens, sondernindem sie zugleich zur Verehrung Gottes erweckt. Obwohldies letztere in ihrem verderbten Zustande nicht deutlich zu Ta-ge kommt, so sind doch Spuren dessen selbst den Lastern ein-gedrückt. Woher anders hätten die Menschen so große Sorgeum ihren guten Namen, als aus dem Gefühle der Schaam?Und woher die Schaam, als ans dem Hinblick auf das, waSRecht ist? Grund und Quelle hicvon ist die Erkenntniß, daßsie geboren sind, Gerechtigkeit zu ehren: und hierin liegt derSame der Religion verborgen. So wie aber unstreitig derMensch zur Betrachtung des himmlischen Lebens geschaffenworden, so ist sicherlich die Kenntniß desselben seiner Seeleeingepflanzt. Und fürwahr der Mensch würde des vorzüglich-sten Gebrauchs seines Erkenntnisvermögens entbehren, wennseine Glückseligkeit ihm verborgen bliebe, deren Vollendung inder Vereinigung mit Gott besteht. Darum ist es die vorzüg-lichste Wirksamkeit der Seele, dahin zu trachten, und folglichjemchr jemand Gott sich zu nahen strebet, um so mehr beweister, daß er mit Vernunft begabt sey. Diejenigen, welche meh-rere Seelen in dem Menschen annehmen, nämlich eine sinnli-che und eine vernünftige, scheinen wahrscheinlich es vorzubrin-gen , da es aber ihren Gründen au aller Beweiskraft fehlt,müssen wir sie zurückweisen, wenn wir anders nicht Lust ha-ben, uns mit leichtfertigen und uunützcn Dingen zu plagen.Sie sagen, es sey ein großer Zwiespalt zwischen den organi-schen BewcgMtgcn und dem vernünftigen Theil der Seele. Als