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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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tcn Vortrcfflichkeit der menschlichen Natur bestehet, welche inAdam vor dem Abfall hervorleuchtete, hernach aber so ver-derbt und beinah vertilgt ward, daß nur ein verworrenes,verstümmeltes und beflecktes Wesen übrig geblieben; so wird esjetzt in einiger Maaße au den Auscrwählten ersehen, welchedurch den Geist wiedergeboren sind, seinen vollen Glanz aberwird es im Himmel erhalten. Um aber zu erkennen, auswelchen Theilen es bestehe, müssen wir von den Vermögender Seele reden. Denn des Augnstinns Gedanke, daß dieSeele ein Spiegel der Trinität sey, weil in ihr Ver-stand, Wille und Gedächtniß wohnen, hat keinen Bestand,sind eben so nnerweislich ist die Meinung derjenigen, welchedie Aehnlichkeit mit Gott in die dem Menschen übergcbcneHerrschaft setzen, wodurch er ein Herr und Besitzer aller Din-ge ist, da solche doch nicht anßcr, sondern in ihm gesucht wer-den» muß, ja ein inneres Gut der Seele ist.

5. Jedoch, bevor ich weiter gehe, muß ich dem Wahnder Manichäcr begegnen, welchen neuerdings wieder aufzu-bringen, Servet versucht hat. Weil gesagt wird, Gott habejn des Menschen Antlitz des Lebens Odem gehaucht, haben siegemeint, die Seele sey ein Ausfluß des Wesens Gottes; alsob ein Theil der unermeßlichen Gottheit in den Menschen ge-flossen wäre. Welche grobe und schändliche Abgeschmacktheitendieser teuflische Irrthum erzeuge, läßt sich leicht darthun.Denn wcnn die menschliche Seele ein Ausfluß aus GottesWesen ist, so wird daraus folgen, daß Gottes Natur nichtblos der Veränderung und den Leidenschaften unterworfen sey,sondern auch der Unwissenheit, bösen Lüsten, der Schwach-heit und jeder Art von Lastern. Nichts ist unbeständiger alsder Mensch, indem die widersprechendsten Bewegungen sichseiner Seele bemächtigen; bald irrt er aus Unwissenheit, baldunterlagt er den geringsten Versuchungen; wir wissen, daßdie Seele ein Wohnsitz jeglicher Art von Unrcinigkcit ist. Al-les dieses müßten wir der Natur Gottes beilegen, so-bald wir annehmen, die Seele sey aus Gottes Wesen, oderein geheimer Einfluß der Gottheit. Wer wird nicht vor svl-