88
den. Wir halten dafür, daß durch solche Greuel die Maje-stät Gottes nicht blos in Schatten gestellt, sondern vielmehrgrößtcntheils unterdrückt und vernichtet werde; höchstens be-halten wir einen kalten Gedanken von seiner höchsten Macht,und verfallen untcrdcß, durch die Hüllen getauscht, in Viel-götterei,
2. Zu dem Ende hat man auch die Distinctionen La-trie und Dulie erfunden, um ungestraft Engeln und Ver-storbenen göttliche Ehren beizulegen. Denn offenbar ist derHeiligendieust der Papisten von der Verehrung Gottes innichrs verschieden; denn sie bclcn jene wie diesen an, und wis-sen sich mit nichts als mit der Ausnahme zu rechtfertigen, daßsie Gott das Seinige gaben, indem sie ihm die Latric er-wiesen. Aber wenn von der Sache selbst, und nicht vondem Worte die Rede ist, wie kann man ihnen solche Spie-lerei in der allcrwichtigstcn Angelegenheit verstatten? Und, umauch dieses zu übergehen, was erlangen sie denn durch dieBehauptung, daß sie dem alleinigen Gott Verehrung, jenenandern Dienst erweisen? Denn Latric heißt beiden Grie-chen Verehrung, und Dulie eigentlich Knechtesdienst;und zuweilen wird beides in der Schrift verwechselt. Aberauch den Unterschied zugegeben, so bedeutet Dulie doch Dienst,und Latric Verehrung, und daß dienen mehr sey alsverehren, wird jeder zugeben. Denn oft wird man dem,welchen man gerne verehrt, deßhalb doch nicht dienen wollen;also ist es sehr unrecht, den Heiligen das Größere, Gott aberdas Geringere zuzutheilen. Aber viele der Alten bedienen sichdieser Distinction, welche jedem Nachdenkenden nicht blos alsunangemessen, sondern auch als leichtsinnig erscheinen muß.
3. Wir übergehen die Spitzfindigkeiten und kommenauf die Sache. Wenn Paulus den Galatern in's Anden-ken zurückruft, wie sie gewesen seyen, ehe sie in der Er-kenntniß Gottes erleuchtet worden, so sagt er:^) sie hät-ten denen gedient, die von Natur nicht Gölter
t) Gal. 4, 8,