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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Kapitel XII.

Gott wird von den Götzen unterschieden, damit er einzig und alleinverehrt werde.

Wir haben anfangs gesagt, die Erkenntniß GottcS beste-he nicht in kaltsinnigcr Betrachtung, sondern schließe seineVerehrung in sich, und haben beiläufig bemerkt, auf welcheWeise er müsse verehrt werden, welches anderswo ausführli-cher entwickelt werden soll. Jetzt wiederhole ich nur in derKürze, daß die Schrift, wenn sie lehret, daß nur ein einzi-ger Gott sey, nicht um den nackten Namen streite, sondernzugl^ch gebietet, alles, was der Gottheit zukommt, nicht an-derlswizhin zu übertragen, woraus erhellt, wie die reine Re-ligion sich vom Wahnglauben unterscheide. Das Wort-(Gottseligkeit) bedeutet bei den Griechen die rechte Ver-ehrung: weil fie, selbst blind und im Finstern tappend,gefühlt haben, daß es einer bestimmten Regel bedürfe, damitGott nicht ans unrechte Weise verehrt werde. Wenn Cicerodas Wort Religion von roleAers (oft überlesen) wahr undscharfsinnig ableitet, so ist doch der Grund, den er anführt,gezwungen und weit hergeholt: weil ächte Verehrer das, waswahr sey, os überläsen und sorgsam überdächten. Ich glau-be vielmehr, daß diese Benennung der zügellosen Freiheit ent-gegengesetzt sey; weil der größte Theil der Welt alles wassich darbietet, ohne Bedacht annimmt, und von dem einen zudem andern flattert: die Gottesinnigkeit aber, um festen Schrit-tes zu stehen, sich in ihre Gränzen sammelt (relsKw); so wiemir das Wort supermiUo (Aberglauben) auf ein ungenüg-sames Hiuausschwcifen über Vorschrift und Gränzen und einZusammenhäufen des Eitcln und Unnützen zu deuten scheint.Uebrigcns, um der Wörter nicht ferner zu gedenken, ist manzu jeder Zeit der einstimmigen Meinung gewesen, daß die Re-ligion durch falsche und verkehrte Meinungen verderbt und