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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Seite
73
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der verboten sind, als Standbilder ; wodurch der thörigte Vor-wand der Griechen widerlegt wird, welche vorgeben, daß sieGott nicht schnitzen, während sie in gemahlten Bildern üppi-ger schwelgen als Andere. Aber der Herr verbeut nicht blos,durch den Bildhauer, sondern durch jeglichen Künstler, ihmein Bildniß zu machen, weil solches seinem Wesen und seinerMajestät widerstreitet.

5. Ich kenne wohl den Gcmeinspruch, die Bilder seyendie Bücher der Laien. Gregor hat es gesagt, aber ganz an-ders spricht der Geist Gottes, und wenn jener in dessen Schu-le erzogen wäre, so würde er nie so geredet haben. Dennda Jere,nias lehrt , Holz sey ein nichtiger Gottesdienst,und Habakuk-) das Gebild einen Lügenlehrer nennt, sokann man daraus die allgemeine Regel feilschen, daß alles,was die Menschen durch Bilder von Gott gelernt haben,nichtswürdig und lügenhaft sey. Wendet jemand ein, von denPropheten würden diejenigen geschmähet, welche die Bilderzu gottlosem Aberglauben mißbrauchten; so gebe ich das zu,aber ich setze hinzu, was jedem einleuchtet, daß sie im Allge-meinen verwerfen, was die Papisten als gewissen Grundsatzannehmen, nämlich daß die Bilder statt der Bücher sind.Denn sie setzen dem wahren Gott die Bilder entgegen, alswidersprechende, nie zu vereinigende Dinge. Solche Verglei-chung findet sich in allen jenen angeführten Stellen: da nurein wahrer Gott ist, den die Juden verehrten, so seyen alleBilder, die Gott darstellen sollen, falsch und unstatthaft, unddiejenigen täuschen sich jämmerlich, welche darin Gotteser-kcnntniß suchen. Auch würden die Propheten jede aus Bilderngeschöpfte Gottescrkenntniß nicht durchaus verdammen, wennsie nicht falsch und trüglich wäre. Wenn wir also die Ver-suche der Menschen, Gott in Bildern darzustellen für Nichtig-keit und Lüge erklären, so wiederholen wir nur die wörtlicheAussage der Propheten.

6. Man lese, was Lactantiuö und Ensebins hierüber ge-

1) Jer. 10, 8. 2) Heb. 2, 18.