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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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Ehmals war ich ein Feigenstamm, ein nutzloser Holzblock,

Bis der Künstler, im Zweifel, ob er zur Bank mich ge-stalte, :c.

Wollt', ich solle ein Gott sein.

So will der Mensch, das Erdenkind, der in jedem Au-genblick sein Leben ausathmet, einem todten Klotz, seinem ei-genen Machwerk den Namen und die Ehre eines Gottes bei-legen. Aber statt des Witzes und Scherzwortcs jenes Epiku-räers, der keine Religion erkannte, treffe, ja durchbohre unsder Ernst des Propheten'), womit er den Wahnsinn dererzüchtiget, die aus demselben Holze, woran sie sich warmen,womit sie den Ofen heizen Brod zu backen, und Fleisch ko-chen und braten, sich einen Gott zimmern, vor welchem sieanbetend sich niederwerfen. So verweiset er ihnen anders-wo^), ihre Schuld nicht blos aus dem Gesetze, sondern wirstihnen vor, daß sie es aus der Gründung der Welt nicht er-kannt haben; da doch nichts so widersinnig sey, als den un-ermeßlichen und unbegreiflichen Gott zu einem Maaß von fünfFuß beschränken zu wollen. Und dennoch erweiset die Erfah-rung, daß diese augenscheinlich ungeheure Unnatur dem Men-schen natürlich ist. Ferner ist zu bemerken, daß aller Aber-glaube durch die Redensart bezeichnet wird, daß es Menschen-händewerk sey, was der göttlichen Vorschrift entbehrt, wor-aus die Abscheulichkeit aller von Menschen erdachten Gottes-dienste hervorgeht. Stärker noch zürnt der Prophet in demPsalm, daß sie von todten und gefühllosen Dingen Hülfe er-flehen, sie, die deßhalb mit Verstand begabt wurden, damitsie einsehen, daß alles durch Gottes Kraft bestehe. Aber weildie Verderbniß der Natur sowohl ganze Völker als den ein-zelnen Menschen zu solcher Tollheit hinreißt, so drohet derGeist mit dem furchtbaren Fluch: Mögen, die solchenmachen, ihnen gleich werden und Alle, die auf siehoffen 3). Zu bemerken ist auch, daß Gemälde nicht min-

4) Les. 45, 1-2. 2) Jes. 46, 21. 3) Ps. HZ, 8.