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Heilige Geist erschien in der Gestalt einer Taube');aber da er sogleich verschwand, wer siehet nicht, daß durchdas Symbol eines Augenblicks die Gläubigen erinnert wur-den, den Geist für unsichtbar zu erkennen? Damit sie, sichgenügen lassend an seiner Kraft und Gnade, keine äußereGestalt sich erdenken mochten. Denn daß Gott zuweilen inGestalt eines Menschen erschienen ist, war Vorbild der künf-tigen Offenbarung in Christo. Daher durften die Juden sol-ches keineswcges zum Vorwande gebrauchen, um sich ein Bildder Gottheit in Menschengestalt zu errichten.—Auch der Gna-denstuhl, von wannen Gott zur Zeit des Gesetzes seinegegenwärtige Kraft erwies, war so eingerichtet, daß er an-deutete, das beste Anschauen der Gottheit sey, wenn die See-len in Bewunderung über sich selbst sich erheben. Denn Che-rubim bedeckten ihn mit ausgebreiteten Flügeln; einVorhang verhüllte ibn; feine Stelle war verborgen durchseine Lage. Folglich rasen offenbarlich diejenigen, welche dieBildnisse Gottes und der Heiligen mit dem Beispiel jener Che-rubim vertheidigen wollen. Denn sollten eben diese Bilderchcnetwas anders andeuten, als daß Bilder nicht geeignet sind,gottliche Geheimnisse darzustellen? Darum waren sie so ge-staltet, daß sie, mit den Flügeln den Gnadcnstuhl verhüllten,nicht blos menschliche Augen, sondern alle Sinne von demAnschauen Gottes abhielten, und so der Verwegenheit wehr-ten. Die Propheten ferner schildern uns die ihnen in Gesich-ten erschienenen Seraphim als mit verhülltem Antlitz,wodurch sie andeuten, der Glanz der göttlichen Herrlichkeitsey so groß, daß selbst die Engel von seinem Anschauen sichwegwenden, und selbst ihre zarte Fünkchcn, die an den En-geln strahlen, unsern Angen entzogen werden müssen. — Aus-serdem erkennen alle Verständige, daß die Cherubim, wo-von hier die Rede ist, zur alten Zucht des Gesetzes gehörthaben. Daher ist es thörigt, sie als Beweis für unsere Zeitanführen zu wollen. Jenes kindische Zeitalter, daß ich
1) Matth. 3, 16.