65
gendcn , wodurch er beschrieben wird , nicht als der, wie erfür sich selbst, sondern wie er gegen uns ist; so daßdiese Erkenntniß Seiner mehr in lebendigem Gefübl, alsin leerer und luftiger Speculation bestehe. Ferner hören wirhier diejenigen Vollkommenheiten aufzahlen, von denenwir bemerkt haben, daß ste vom Himmel und der Erde unsentgegen strahlen; seine Gnade, Güte, Barmherzigkeit, Ge-rechtigkeit, Gericht, Wahrhaftigkeit. Denn seine Kraft undAllmacht ist in dem Worte El oh im beschlossen. Mit den-selben Benennungen bezeichnen ihn auch die Propheten, wennsie seinen heiligen Namen im vollen Glänze darstellen wol-len. Der Kürze halbe verweisen wir nnr auf den einenPsalm l), in welchem der Umfang aller seiner Tu-genden so genau begriffen ist, daß nichts Übergängenscheint. Und doch findet man hier nichts, was man nichtan den Geschöpfen erkennen könnte. So gibt sich Gott inder Erfahrung zu erkennen, wie er sich in seinem Worte of-fenbaret. Bei Jeremias, wo er sagt, wie er von uns er-kannt seyn wolle, gibt er eine nicht so völlige aber ähnlicheBeschreibung-): »Wer sich rühmet, der rühme sichdessen, daß er mich den Herrn erkennet, der ichübe Barmherzigkeit, Gericht und Gerechtigkeitauf Erden.« Diese drei find uns besonders zu wissen nö-thig: Barmherzigkeit, worauf unser aller Heil beruhet;Gericht, welches täglich an den Gottlosen geübt wird; Ge-rechtigkeit, wodurch die Gläubigen erhalten und mit Gütegesegnet werden. Hast dn diese gefaßt, so hast du nach demZeugniß der Weissagung, genug dich Gottes zu rühmen. Je-doch werden deßhalb seine Wahrhaftigkeit, oder Macht, oderWeisheit oder Güte nicht Übergängen. Denn wie könnte diehier geforderte Erkenntniß seiner Gerechtigkeit, Barmherzigkeitund seines Gerichts bestehen, wenn ste nickt auf seiner unab-änderlichen Wahrheit bernhete? Und wie könnte man eineRegierung der Welt durch Gericht und Gerechtigkeit glauben,
1) Ps. 14',. 2) Jer. 9, 24.Calvins Inst. 1r Wd.