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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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stigen wollen, denn ohne diese Grundlage bleibt es immerwankend. Dagegen, wenn wir sie einmal dem Gemeinen ent-zogen und, nach ihrer Würde, mit Ehrfurcht aufgenommenhaben, so kann das, waS diese Gewißheit unserer Seele ein-zupflanzen nicht vcrmogte, ihr zur angemessenen Stütze die-nen. Denn fürwahr, sie gewinnt an Stärke, wenn wir miteindringendem Fleiß die Ordnung und Stellung in derAnsthei-lung der göttlichen Weisheit, die überall himmlische, nachnichts irdischem schmeckende Lchrwcise, die schöne Zusam-menstimmung aller Tbcile, und so manches andere erwägen,was geeignet ist, die Majestät der Schrift zu befestigen. Abernoch mehr werden unsere Herzen gestärkt werden, wenn wirbedenken, daß wir mehr durch die Würde des Inhalts, alsdurch Scheicheit der Worte zur Bewunderung erhoben wur-den. Denn auch das ist nicht obne besondere Borsicht Gottesgeschehen, daß die erhabenen Geheimnisse des himmlischenReiches zum großen Theil in der Hülle niedriger und verach-teter Worte vorgetragen wurden; damit nicht, wenn sie mitglänzender Beredsamkeit prangten, die Ungläubigen sagen könn-ten, darin wohne ihre Kraft. Jetzt, da diese schminklose, ja fastrohe Einfalt größere Ehrfurcht erweckt als irgend eine Kunstder Redner; muß man nicht daraus schließen, daß der Kraftder h. Schrift eine Kraft der Wahrheit einwohne, welche zumächtig sey um des Schmuckes der Worte zu bedürfen. Nichtohne Ursache sagt daher der Apostel^), daß durch GottesKraft und nickt durch menschliche Weisheit derGlaube der Eorinther gegründet sey, weil seine Predigt nichtin beredsamen Worten menschlicher Weisheit, son-dern in Erweisung des Geistes und der Kraft bestanden ha-be. Denn die Wahrheit wird über jeden Zweifel erhoben,wenn sie nicht auf fremden Stützen ruht, sondern in eigenerHaltung sich genügt. Wie sehr solche Kraft der Schrift eigensey, erhellt daraus, daß von allen menschlichen, noch so kunst-reich gefertigten Schriften durchaus keine uns so zu ergreifen

1) Kor. 2, 4.