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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
34
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Kapitel VI.

Um zu Gott dem Schöpfer zu gelangen bedarf es der Leitung und desUnterrichts der h. Schrift. /

Obwohl nun der Glanz, der im Himmel und auf derErde in alle Augen dringt , den undankbaren Menschen alleEntschuldigung benimmt wie denn Gott, um das Men-schengeschlecht gleicher Strafwürdigkcit zu zeihen, allen ohneAusnahme sei» nnslchtbarcs Wesen in den Geschöpfen vorhältso ist doch nothwendig, daß ein anderes und besseres Hülfs-mittel hinzukam, welches uns auf geradem Wege zu dem Schö-pfer der Welt hinführe. Also hat er nicht umsonst das Lichtseines Wortes hinzugefügt, auf daß er erkannt werde zurSeeligkeit; und dieses Vorzugs hat er diejenigen gewürdigt,welche er näher und traulicher zu sich ziehen wollte. Dennweil er Aller Gemüther voll wandelbarem und unftäteNiSchwanken nmhergetrieben sahe, erwählte er sich die Judcstzur besondern Heerde und umgab sie mit Schranken, auf daßsie nicht, wie die andern, vereiteln möchten. Und auch unserhalt er durch dasselbe Mittel in reiner Erkenntniß seinerselbst, da ohne dasselbe auch diejenigen, welche vor andernfest zu stehen scheinen, bald wanken würden. Denn so wieGreise oder Blödsichtige und Angensehwachc, wenn man ihnenauch die schönste Schrift vorlegt, zwar wohl erkennen, daßes etwas Geschriebenes sey, jedoch kaum zwei Worte zusam-menzusetzen vermögen, aber durch Brillen unterstützt, deutlichwerden lesen können ; so sammelt die Schrift die in unsererSeele befindliche verworrene Erkenntniß von Gott, zerstreuetdas Dunkel und zeigt uns den wahren Gott im hellen Lichte.Es ist also eine große Gnade, daß sich Gott zum Unterricht seinerErwählten nicht bloß stummer Lehrer bedient, sondern anchseinen heiligen Mund öffnet; nicht bloß ihnen kund thut, daßman einen Gott anbeten müsse, sondern auch, daß er der