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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
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die Frommen hingegen ohne ihre Schuld in mancherlei Un-glück fallen, ja von der Bosheit nnd Ungerechtigkeit der Bösenunterdrückt werden läßt, muß nns an der ewigen Regel sei-ner Gerechtigkeit nicht irre machen. Viel mehr sollen wir ei-nen ganz verschiedenen Gedanken fassen, nämlich: daß, wenner einen Frevel mit offenbaren Kennzeichen seines Zorns be-straft, er alle anderen hasse, und daß, wenn er viele unge-straft läßt, ein anderes Gericht bevorstehe, auf welches dieStrafen verschoben werden. Angleichen, wie viel Veranlas-sung giebt er uns, seine Barmherzigkeit zu erkennen, indemer oft die elenden Sünder mit unermüdlicher Güte verfolgt,bis er mit mehr als väterlicher Nachsicht und Lockung durchWohlthun ihre Widcrspanstigkeit gebrochen hat!

8. Wenn zu dem Ende der Prophet erwähnet, wie Gottin verzweifelten Lagen unverhofft und wnnderbarlich den Un-glücklichen und beinahe Verlorenen zu Hülfe komme, indemer sie in Wüsteneien vor wilden Thieren schützet, und auf denrechten Weg geleitet, oder den Darbenden und HungerndenNahrung zuführt, den Gefangenen aus schrecklichen Grubenund efterucn Fesseln erlöset, Schiffbrüchige unversehrt in denHaftn bringt, Halbtodte von Krankheiten heilet, oder Länderdurch Hitze und Dürre versenget, oder mit gnädigen Regenbefeuchtet, oder die Vcrachtetsten des Volkes erhebet, die Vor-nehmen von der höchsten Stufe der Ehre herabstürzt; soschließt er aus solchen Beispielen, daß diese scheinbar zufälli-gen Ereignisse eben soviel Zeugnisse einer himmlischen Vorse-hung, besonders aber eine väterliche Gnade seyen, und darausden Frommen ein Quell der Freude geöffnet, den Gottlo-sen und Verworfenen aber das Maul gestopft werde. Aberweil der größere Theil, in seinen Irrthümern verstrickt, ge-gen das helle Licht sich verblendet, ruft er aus, daß es eineseltene und besondere Weisheit sey, solche WorteGottes klüglich zu erwägen, deren Anblick denen nichtsnützt, die sonst die scharfsichtigsten scheinen. Und fürwahr,wie hell auch die Herrlichkeit Gottes strahlet, kaum der Hun-dertste siehet sie. Ebensowenig sind seine Macht und Weis-