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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
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damit sich niemand mit Unwissenheit entschuldigen könne; hatGott Allen eine gewisse Erkenntniß seiner Gottheit eingepflanzt,welche er immerdar erfrischet und oft mit neuen Tropfen be-netzet: also daß sie, da sie ohne Ausnahme wissen, daß einGott, und daß er ihr Schöpfer sey, durch eigenes Zeugnißverdammt werden, wenn sie ihn nicht verehrten, und ihm ihrLeben weihten. Eine völlige Unkunde von Gott, würde man,so man sie suchte, am ehesten unter den verwilderten und vonmenschlicher Bildung entfernteren Völkern, zu finden glauben.Aber, spricht jener Heide, es ist auch keine Nation so roh,kein Volk so verwildert, das nicht die Ueberzeugung hätte,daß ein Gott sey. Und welche in Hinsicht ihrer sonstigen Le-bensweise sich nicht sehr von den Thieren zu unterscheidenscheinen, bewahren doch immer in sich einen Keim von Religion.So sehr hat jene gemeinsame Ahnung aller Herzen und See-len unvertilgbar durchdrungen. Da also seit Anfang derWelt kein Land, ja kein Haus gewesen ist, das der Religionentbehren konnte; so liegt darin das stillschweigende Gcständ-niß, daß das Gottheitsgefühl Aller Herzen eingcgraben sey.Ja selbst die Abgötterei ist solches Empfängnisseö starker Er-weis. Denn, wie ungern der Mensch sich erniedrige, umandere Geschöpfe über sich zu erhöhen, wissen wir. Folglich,wenn er lieber ein Holz oder einen Stein anbeten, als ganz-lich ohne Gott zu seyn scheinen will; so ist das ein Beweis,wie tief der Eindruck der Gottheit seiner Seele eingeprägtseyn muß, welcher so wenig sich auslöschen läßt, daß er vielehr die Neigungen der Natur überwältigt, wie solches in derThat geschiehet, indem der Mensch von seinem natürlichenHochmuth sich freiwillig unter die verächtlichsten Dinge derErde erniedrigt, um nur einen Gott zu verehren.

2. Daher ist es abgeschmackt, wenn einige behaupten, Re-ligion sey die Erfindung einiger klugen Köpfe, um dadurchdas einfältige Volk in Zucht zu halten, indeß sie selbst an dasDaseyn eines Gottes nicht geglaubt hätten. Ich gebe gernzu, daß verschlagene Menschen manches in der Religion er-sonnen haben, um dem Pöbel Fnrcbt und Schrecken cinzn-