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alle Uebel seine Milde werde Heilmittel haben. Weil er ihnals Herrn und Vater anerkennt, so erkläret er ihn auch sürwürdig, seine Regierung bei allem vor Augen zu haben, seineMajestät zu ehren, seinen Ruhm zu verbreiten, seinen Gebo-ten Folge zu leisten. Weil er sieht, Gott ist ein gerechterRichter und mit Strenge gewaffnet um die Missethaten zurächen, so steht ihm sein Richterstuhl immer vor Augen, undFurcht hält ihn ab, seinen Zorn zu reizen. Doch ist der Ge-danke an sein Gericht nicht so schrecklich für ihn, daß er sichdemselben würde entziehen mögen, auch wenn es ihm möglichwäre, sein Herz empfindet ihn sowohl als Rächer der Bösen,wie als milden Vergelter gegen die Frommen, indem er sieht,es gehört zu seinem Ruhme, daß sowohl für die Gottlosenund Uebclthatcr Strafe, als sür die Gerechten der Lohn desewigen Lebens bey ihm aufgehoben ist. Ueberdieß hält er sichnicht allein aus Furcht vor der Rache vom Sündigen zu-zück; sondern weil er gegen Gott als gegen den Vater Liebeund Ehrfurcht hegt, ihm als Herrn Achtung und Verehrungerweiset, so scheuet er sich vor der bloßen Beleidigung seiner,»nögte es auch keine Hölle geben. Siehe, das ist reine undachte Religion, nemlich Glaube mit ernstlicher Furcht Gottesverbunden, so daß die Furcht sowohl freiwillige Ehrfurcht insich fasset, als die gesetzmäßige Verehrung mit sich bringet,wie sie im Gesetze vorgeschrieben wird. Und dieß ist darumja zu bemerken, weil alle ohne Unterschied Gott verehren,sehr wenige ihm aber Ehrfurcht erweisen, da überall großesPrunken mit Ceremonie, selten aber sich Aufrichtigkeit desHerzens findet.
Kapitel III.
Daß die Erkenntniß Gottes der Seele des Menschen von Natureingepflanzt sey.
Es ist nicht zu bezweifeln, daß der menschlichen Seele vonNatur ein gewisses Gefühl der Gottheit einwohne. Nämlich,