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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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Anschauen der Sonne reine Blödsichtigkeil. Also auch beiSchätzung unserer geistigen Gaben; so lange wir nicbt überder Erde hinausblicken, sind wir mit unserer eigenen Gerech-tigkeit, Weisheit und Tugend weidlich vergnügt, schmeichelnuns aufs lieblichste und dünken uns Halbgötter. Aber wennwir unsere Seele zu Gott erheben und erwägen, wer Er seyund welch eine Höhe von Gerechtigkeit, Weisheit und Tugend inihm sey, nach welchem Maasic wir uns messen sollen-^- da wird,was zuvor unter dem falschen Scheine der Gerechtigkeit unswohlgefiel, bald als schnöde Verkehrtheit uns anekeln daswaS mit dem Namen der Weisheit sich brüstcte, als abge-schmackte Narrhcit, was Kraft und Tugend sich nannte, alserbärmliche Ohnmacht erscheinen. So wenig entspricht göttli-cher Reinheit was au uns selbst das Vollendetste scheint.

3. Daher jenes Staunen und Entsetzen, welches nach demZeugniß der Schrift, die Heiligen ergreift, so oft sie GottesNähe empfinden. Denn wenn diejenigen, welche, außer sei-ner Gegenwart, fest und sicher standen, sobald die HerrlichkeitGottes sich ihnen offenbarte, so sehr erschüttert wurden, daß sievon Todesschreck ergriffen niedersanken und fast vernichtet wur-den; so läßt sich daraus erkennen, daß der Mensch nur durchVcrgleichung mit der Majestät Gottes zum vollen Gefühl seinerNiedrigkeit gelange. Beispiele dieses Entsetzens fanden sichmehrere in den Nichtern und Propheten, daher die Rede un-ter dem Volke Gottes gewöhnlich war: Wir werden sterben,weil der Herr uns erschienen. Darum nimmt auch die Ge-schichte Hiob, um die Menschen durch das Gefühl ihrer Thor-heit, Ohnmacht und Befleckung zu demüthigen, ihre Beweis-kraft von der Darstellung der Weisheit, Allmacht und Heilig-keit Gottes. Nicht umsonst, denn wir sehen, wie Abraham,seit er näher zum Anschauen der Herrlichkeit Gottes gelangtwar, um so mehr sich als Staub und Asche erkannte, undElias mit unverhülltem Angesicht sein Herannahn nicht zu er-warten wagt: solcher Schrecken liegt in seinem Anblick. Undder Mensch, dieser Wurm im Staube, was will er, wennselbst Cherubinen ihr Antlitz vor ihm verhüllen!. So spricht