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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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heit, Achte Tugend, aller Fülle Güter und reine Gerechtigkeitwohne, und selbst unsere Uebel erwecken uns, unsere Blicke»uf das höchste Gut zu wenden. Denn nicht eher können wirernstlich uns zu ihm erheben, als wir angesungen haben, unszu mißfallen. Denn welcher Mensch hätte nicht Wohlgefallenan sich selber? und wer gefällt sich nicht, so lange er sich selbstnickt kennt d. h. seines Elendes unbewußt oder uneingedenksich an seinem Zustande genügen läßt? Folglich wird ein je-der durch Erkenntniß seiner selbst nicht blos angetrieben, Gottzu suchen, sondern auch auf den Weg geleitet, ihn zu finden.

2. Hinwiederum kann der Mensch nie zu einer reinen Selbst-rkenntniß gelangen, wenn er nicht zuvor Gott angeschauthat, und von diesem Anschauen den Blick auf sich selbst nei-get. Denn, nachdem uns allen angeborenen Stolze, denkenwir uns immer gerecht und unsträflich, heilig und weise, wennwir nicht von unserer Ungerechtigkeit, Schuld, Thorheit undBefleckung augenscheinlich überführt werden. Dieses aber istunmöglich, so lange wir unsere Blicke nur auf uns selbst rich-ten und nicht zugleich auf den Herrn, welcher der einzigeMaasstal' jenes Urtheils ist. Denn, weil wir von Natur zurHeuchelei geneigt sind, so genüget uns ein leerer Schein vonGerechtigkeit statt der Gerechtigkeit selbst. Und weil wir inuns oder um uns her nichts sehen, was nicht befleckt undentstellt wäre, so erscheint uns das minder befleckte als höchst-rein, so lange unser Geist in den Gränzen der menschlichenUnreinheit weilet. So hält ein Auge, welches sonst nurSchwarzes sieht, schon das für sehr weiß, was doch nur halb-weiß oder schwarz besprengt ist. Noch besser läßt sich aus Be-schaffenheit leiblicher Sinnen erkennen, wie sehr wir in Schät-zung geistiger Tugenden uns täuschen. Denn wenn wir mittenam Tage auf der Erde uns umsehen, so meinen wir mit ei-nem sehr starken und scharfen Gesichte begabt zu seyn; aberwenn wir nun aufwärts in die Sonne blicken, so wird unsereSchekraft, die auf der Erde sich treflich erwies, alsbald vonsolchem Glanz ergriffen und geblendet, daß wir bekennen müs-sen, unser für irdische Gegenstände so scharfes Gesicht sey beim