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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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Kapitel I.

?iaß und wie die Erkenntniß Gottes und unser selbst unter einanderverbunden sind.

L..ie Hauptsumme unserer Weisheit, sosern sie diesen Namenin der That und Wahrheit verdient, besteht in zwei Stucken:Erkenntniß Gottes und unser selbst. Indeß, so vielfältig sieunter sich bcrbunden sind, ist doch nicht leicht zu entscheiden,welche von beiden der andern vorgebe oder sie erzeuge. Dennerstlich kann niemand sich selbst anschauen ohne sogleich ansGott, in dem er lebt und webt, den Blick zu wenden; weiles klar einleuchtet, daß alle unsere Gaben keineswegcs vonuns selbst sind, ja, daß unser Daseyn selbst nicbts anders ist,als ein Seyn und Bestehen in dem einigen Gott. Fernerfuhren uns die Güter, welche Tropfenweise von oben auf unsträufen, wie Bächlein zur Quelle. Denn aber erhellet nochmehr aus unserer Armuth der unendliche Reichthum, der in Gottwohnet. Vor allen dringt uns das bejammernswürdige Elend,in welches der ersten Menschen Abfall unS gestürzt hat, un-sere Augen aufwärts zu heben, nicht blos um als die Dürf-tigen und Hungernden von Dannen zu empfahen, was wirbedürfen, sondern um aufgeschreckt Demuth zu lernen. Denn,wie in dein Menschen sich gleichsam eine Welt alles Elendesbefindet, und seit wir unsers göttlichen Schmuckes beraubtsind, schmähliche Blöße ein Heer von Schanden aufdeckt; somuß nothwendig das Bewußtseyn seines heillosen Znstandesjeden zu wenigstens einiger Erkenntniß Gottes treiben. Solernen wir durch das Gefühl eigner Unwissenheit, Leerheit,Armuth, Schwäche, Blosheit und Vcrderbtheit erkennen, daßnirgend anders als in dem Herrn das wahre Licht der Weis?

Calvins Inst, tr Bd. lj