Druckschrift 
Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Was hatten die Apostel hier zu thun? sollten sie vielleichtdieses Evangelium auf eine Zeitlang verborgen halten, oderwohl gar ganz aufgeben und verlassen, da sie sahen, daßes eine Pflanzschule so vieler Zwistigkeiten, die Ursache sovieler Gefahren und die Veranlassung so vieler Aergernissewar? Aber in solchen Bedrängnissen fiel ihnen ein, daßChristus der Stein des Anstoßes und der Fels des Aerger-nisses sey, gesetzt zum Fall und Auferstehen Vieler, und einZeichen, dem widersprochen würde; und mit diesem Trostegcwaffnct, schritten sie muthig vorwärts durch alle Gefah-ren , Angriffe und Empörungen. Ebenderselbe Gedanke mußauch uns aufrecht erhalten, da Paulus versichert, daß die-ses immerdar der Geist des Evangeliums sey, daß es seyein Geruch des Todes zum Tode denen, die verloren gehen,obwohl es uns vielmehr dazu gegeben worden, daß es unswäre ein Geruch des Lebens zum Leben und eine KraftGottes die Gläubigen selig zu machend) Das würden wirwahrlich auch erfahren, wenn wir nicht durch unsere Un-dankbarkeit dieser so herrlichen Gabe Gottes uns unwürdigmachten und in unser Verderben verwandelten, was unsdie einzige Quelle des Heils seyn sollte.

Aber ich wende mich wieder zu Dir, o König. Mögenjene falsche Angebungcn Dich nicht bekümmern, wodurchunsere Feinde Dir Schrecken einzuflößen trachten, wennsie sagen, durch dieses neue Evangelium so nennen siees > suche und erstrebe mau nichts anders, als Gelegen-heit zu Empörungen und Ungestraftheit aller Verbrechen.Denn unser Gott ist nicht ein Urheber der Zwietracht, son-derns des Friedens, und der Sohn Gottes ist nicht einDiener der Sünde, sondern dazu gekommen, daß er dieWerke des Teufels zerstöre. Mit Unrecht beschuldigt manuns solcher Bestrebungen, wozu wir niemals den geringstenArgwohn veranlaßt haben. Wir sollten den Umsturz derRegierungen zum Zweck haben, wir, von denen nie ein auf-rührerisches Wort gehört wurde und derer Leben immer alsein stilles anspruchloscs erkannt ward, als wir unter Dei-nem Zepter lebten, und die auch jetzt noch, aus dem Va-terlande verbannt, Dir und Deinem Reiche alles Heilzu erflehen nicht aufhören! Wir sollten nach ungestrafterZügcllosigkcit in Lastern sterben, wir, an deren Lebenswan-del zwar manches getadelt werden kann, aber doch nichts,das solchen Vvrwurf verdiente. Uud durch Gottes Gnadeist das Evangelium auch nicht so fruchtlos bei uns geblie-ben, daß unser Leben jenen Vcrlaumdcrn nicht zum Erem-pel der Keuschheit, Gütigkcit, Barmherzigkeit, Enthaltsam-

t) Luc. 2, 34. 2) 2 Kor. 2, IS.