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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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verließen sie, als sie ihren Priestern den unehelichen Standstrenge gebeten. Einer der Väter war es, welcher behaup-tete, Christum allein müsse mau hören, von dem gesagt ist:ihn sollet ihr hören; und man müsse nicht darauf scheu,was andere vor uns sagten oder gethan haben, sondern wasEr, Christus, der Erste von Allen, geboten habe.') DieseGränzschcidc lassen sie weder für sich selbst noch für anderegelten, sondern wollen lieber jeden andern außer Christofür sich und Andere als Lehrer anerkennen. Einer der Vä-ter war es, welcher aussagte, die Kirche müsse sich nichtüber Christum setzen wollen, weil er allein immer wahrhaf-tig richte; die geistlichen Richter aber, als Menschen, meh-rentheils irren.-) Auch diese Gränzbcstimmung haben sievernichtet, indem sie sich nicht entblöden zu behaupten, dasganze Ansehen der Schrift beruhe auf den Ausspruch undder Entscheidung der Kirche. Alle Väter haben einstimmigund einhellig jede Entstellung und Befleckung des heiligenWortes Gottes durch sophistische Spitzfindigkeiten, undjede Vermengung desselben mit den Zänkereien der Dialek-tiker verflucht und verabscheut. Halten nun jene sich in die-sen Gränzen, wenn sie in ihrem ganzen Leben auf nichtsanderes ausgehen, als wie sie die Einfalt der Schrift mitunzähligen Streitfragen und mehr als sophistischen Zänke-reien verwirren und verwickeln mögen! Ja, wenn die Vä-ter wieder auferständen und von dieser Streit- und Zauk-kunst hörten) welche jene specnlative Theologie nen-nen, sie würden nichts weniger glauben, als daß von Gottdir Rede sey. Aber meine Rede würde über Gebühr sichausbreiten, wenn ich weiter nachweisen wollte, mit welcherFrechheit sie das Joch der Vater, deren gehorsame Kindersie scheinen wollen, abschütteln. Dazu würden Monate undJahre kaum hinreichen. Und doch haben sie eipe solche per,ruchtc und jammervolle Unverschämtheit, uns vorzuwerfen,daß wir die alten Gränzen hinauszugehen kein Bedenkentragen.

Wenn sie uns uun ferner auf das Herkommen verwei-sen, so richten sie auch hicmit nichts ans. Freilich, wenndie Menschen gesundem Urtheil folgten, so würden sie dieHandlungsweise der Guten zum Herkommen machen; abersie handeln mehrentheils ganz anders; was sie die Mengethun sehen, erhält bald das Recht herkömmlicher Sitte.Aber kaum hat es je mit der Menschheit so gut gestanden,daß der Mehrzahl das Bessere gefiel. So entsprang ausden einzelnen Verirruugen Vieler mehrentheils der Irrthumdes Ganzen oder vielmehr ein gemeinsamer Verein in der

1) tHpe. ech, kl. lt. 2) c. klrecc. Oizmm. kl. It.