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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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mnrren, daß, ich weiß nicht was für ein blindes Licht derNatur, eingebildete Vorbereitungen, freier Wille, seligma-chcndc verdienstliche Werke, sammt ihren Ueberverdienstlich-keitcn zu nichte würden; weil sie nicht ertragen können, daßalles Guten, und jeder Tugend, Gerechtigkeit und Weis-heit, Nuhm und Ehre Gott allein gebühren soll. Doch le-sen wir nirgend, daß jemand gescholten werde, weil er zu-viel aus dein Quell des lebendigen Wassers geschöpft habe;wohl aber werden diejenigen ernstlich gestraft, die sich selbstBrunnen graben, löcherigte Brunnen, die kein Wasser ge-bend) Was ist ferner dem Glauben angemessener, alssich Gottes, als des gnädigen Vaters zu getrosten, woChristus als Bruder und Versöhner erkannt wird? als, al-les Heil und Glück mit Zuversicht von dem zu erwarten,dessen unaussprechliche Liebe so weit gieng, daß er auch sei-nes eigenen Sohnes nicht verschonte, sondern ihn für unsdahin gab?") als die gewisse Erwartung des ewigen Heilsund Lebens sich zu freuen, in dem Glauben, daß Christusuns vom Vater gegeben ward, in welchem solche Schätzeverborgen sind? Hier legen sie Hand an uns und ver-schreien solche feste Zuversicht als Stolz und Vcrmesfenheit.Aber wie wir nichts von uns selbst, so dürfen wir alles vonGott uns rühmen, und nur darum entsagen wir dem eitclnSelbstrubm, damit wir lernen uns in dem Herrn zu rüh-men. WaS soll ich weiter sagen? Durchforsche, erlauchterKönig, unsere Sache in allen ihren Theilen, und halte unsfür die schändlichsten und strafwürdigsten aller Menschen,wenn Du nicht deutlich erkennen wirst, daß wir deßhalbNotk und Schande leiden, weil wir unsere Hoffnung aufden lebendigen Gott setzen: weil wir glauben, daß, deneinigen wahren Gott und Jesum Christum, den er gesandthacj erkennen, das ewige Leben scyJ) Um dieser Hoffnungwillen werden einige von uns in Ketten und Banden gelegt,andere mit Ruthen gegeißelt, andere zum Gespött herum-geschleppt, andere verbannt, andere auf das grausamstegefoltert, andere zur Flucht gezwungen; alle werden wirverfolgt und geängstigt^ mit schrecklichen Flüchen belastet,mir Schmähungen zerrissen, auf das entsetzlichste mißhan-delt. Blicke nun auf unsere Widersacher, ich meine denStand der Priester, auf deren Wink und Befehl die An-dern uns anfeinden, und erwäge einen Augenblick mit mir,was sie denken und wollen. Die wahre Religion, wie siein der Schrift enthalten ist und allen bekannt seyn sollte,nicht zu kennen, zu vernachläfiigen und zu verachten, dasverstatten sie gern sich und andern; sie glauben, es sey we-

ll Ire. 2, 1.?. 2) Röm. 3, Z2. .?) 1 Äim. 4, 10. Joh. 17, Z.

Calvine Inst. 1r Bd.