In der alten Grafschaft Mörs. 93
Und denk", daß für uns auch gestorben er ist,
Daß all' wir gekreuzigt ihn haben;
Uns daß es ergriffen betrachte der Christ,
Beim Bpfer der heiligen Gaben."
Und es ging in Demut der Bruder alsdann
Zur Zelle, das Linnen zu spannen;
Und iagelang saß er und sann und sann,
Und Monde ans Monde verrannen,
Bevor es noch Leben und Wirklichkeit ward,
was die Brust des Künstlers bewegte,
Bis das Bild der Vollendung entgegenharrt,
Das der Wenge Staunen erregte.
Und der Tag er kam wo endlich das Bild
Sich zeigte befreit von der Hülle,
Und das Kreuz, von düster» Wolken umhüllt,
Ts trägt in des Leidens Fülle
Den göttlichen Dulder und schwebt empor,
Durch Stricke und Stangen gehoben, —
Und ein schuldlos Gpser umbrüllt im Thor
Des Volk s blutgieriges Toben.
Tin Prätor zu Pferd, der den Henkern gebeut,
Befiehlt in die Trdc zu senken
Den Stamm, und es bäumt sich das ipier und scheutBeim Kreuze und läßt sich nicht lenken.
Tin herrliches Bild, so voll Wahrheit, so hehr,
So voller Gefühl empfunden! —
Die Brüder stch'n alle bewundernd umher,
Des Künstlers Lob zu bekunden.
Und der Gbre schon hat sich zum Bruder gewandt,
Ihm des Dankes Worte zu spenden,
Da plötzlich, da sieht er zur linken Hand, —
Und er kann das wort nicht vollenden, —
Inmitten der Krrnz'gcr den Bruder auch steh»,
Mithelfend am schrecklichen Werke;
wie er eine Leiter, das Kreuz zu erhöh'»,
vndrückct mit wuchtiger Stärke.
Und, — „was seh' ich" so spricht er zum Bruder gekehrt,
„Du mit bei der schmählichen Rotte?"
Darauf der Bruder'iu Demut i „Herr, was du begehrt,
Ich Hab' es vollführt nicht zum Spotte!
wir alle ja haben gekreuzigt den Herrn,
Ich mit durch die Fülle der Sünden,
Drum magst du auch mich hier dem Kreuze nicht fern,
Inmitten der Kreuziger finden.
In Demnt bekenn' ich die frevelnde Schuld,
Gott wolle begnaden mich Vrmen,
Und einst, wie des Schächcrs in Gnaden und Huld
Sich meiner im Himmel erbarmen."