Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
74
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74 Im Eleverlnndc.

Schlosse an ihren, Nährahn, beschäftigt saß. Sie stellte sichruhig vor sie hin, besah die Arbeit, fuhr einigemale mit derHand darüber hinweg, stellte sich vors Fenster, als ob siedie Aussicht, welche eine der schönsten in der Welt ist, be-trachtete, kehrte über eine Weile wieder vor den Nahrahm,mit gleicher Bewegung als vorhin, und ging bald daraufwie schwebend zu der von selbst sich öffnenden Türhinaus. Kurz vor dem Teschener Frieden s?7s) ließ sie sichgerade in der Dämmerung auf eben diesem Schlosse voreinem Dienstmädchen sehen, welches etwas in der Rammerneben ihrer Herrschaft Zimmer zu verrichten hatte. Diesmalsprach sie, wider ihre Gewohnheit. „Mache fort!" sagte siezu dem Mädchen, welches aber vor Schrecken desto unbe-weglicher ward. „Mache fort, mache fort", wiederholte sieetwas stärker, und das Mädchen lief halbtot in ihrer Herr-schaft Zimmer, wo sie ohnmächtig hinfiel. — Mehrere Er-scheinungen von dieser klevffchen weißen Frau sind nicht be-kannt geworden ihren Umständen nach; indessen tun alleSchriftsteller, welche von den Merkwürdigkeiten dieses Landesgeschrieben haben, von dieser weißen Frau Erwähnung."

Erzählungen von der weißen Dame sind zuerst in derBerliner Monatsschrift, dann im September s737 mit einigenZüsätzen in den Niederrheinischen Unterhaltungen PUesel,bei F. Z. Röder) erschienen. - Der Tlever Historiker,Gustav von Uelsen sagt ()3H6), daß Buggcnhagen seineAngaben über das Erscheinen der weißen Dame macht, ohnedie Erscheinungen in Zweifel zu ziehen! Auch MagisterZohann Kaiser, siebenter lutherischer Pfarrer zu Tleve«gestorben s 72 s) und Verfasser des Usrnussus Llevensis, hältes für verwegen, vergleiche«! Erscheinungen überall zu be-zweifeln, obgleich er eine komische, ihm selbst widerfahreneä.äuschung erzählt. Noch in den Zahren s8s5 und s8s6wurden die Aussagen von Personen, welche die weiße Damegesehen haben wollten, amtlich zu Protokoll genommen. Snder Thronik von Tleve auf dem Rathause sind sehr ausführ-liche Angaben hierüber enthalten. Line geschichtliche Grundläge ist nicht anzunehmen.

Es gilt noch die Sage von einer weißen Dame, derGräfin Beatrix von Grlamünde und eine solche von derGräfin Perchta von Rosenberg.

Eltern, a n n.