Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
72
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Im Tl ev erla nd e.

Veilchen strahlen aus ihr zartes Blau,Hyazinthen farbenglntig funkeln,

Und ein Tcppich wird die kleine Fluvon Narzissen, Tulpen und Ranunkeln.

Staunend steht der Wanderer vor dem Grund,Fluch und Segen seltsam sich verweben,

Doch Frau Saga mit dem goldenen UkundRann des Rätsels dunkeln Schleier heben.

Seht, sie füget mit geschäftger HandStein auf Stein; es wachsen Ukauern, Zinnen,Und der Bogenfenster stolzen RandLäßt mit Efeu holder sie umspinnen.

Und lebendig wird es in dem Schloß,Rittersporcn klirren durch die Gänge,

Droben schwelgt in Ueppigkeit der Troß,Und es klingen Harfen und Gesänge.

In dem Ukarstall steht der Rosse Pracht.

Gold erglänzt an den gefeilten Hufen,Silberschmuck an den Geschirren lacht,Ntarmorglanz erstrahlt von Rripp' und Rufen.

Einst an einem lichten SommertagRain ein Bettler an des Schlosses Schwelle,Nltersschnee auf seinem Haupte lag,

Und sein Buge blickte klug und helle.

Flehend streckt er aus die braune Hand,

Liebe Gabe liebend z» empfangen;

Zornig wies der Graf hinaus ins Land,

Harte Worte von der Lippe sprangen,

Dröhnend wie aus einer Wetterwolke:

„Ja, ich will gebührender vrt dich letzen!Heda, Jäger, solch ein LumpenvolkSoll die Uteute mir vom Hofe Hetzen!"

Feile Rnechte, willig dem Gebot,

Stürzen rasch sich auf den grauen Bettler:„Fort hinaus! Hinaus in Nacht und Not,Du, der goldnen Tage Glücksverzettler!"

„Halt!" Wer rief? Ein Stimmchen glockenrein,Ukägdlein, hold erblühend in gesunderRraft, mit Wangen voller Rosenschein,

Blumen trägt es, selbst ein Blnmeiiwnnder.

Und es fällt dem Frechsten in den Ulrm,

Seine Hände um den Bettler breitend,

Führt es fort ihn aus dem wilden Schwann,vor das Burgtor sorgsam ihn geleitend.