Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
42
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42 An den Ufern des Rheines.

Sn des Städtchens TempelhallcnWird dir gleich ins Auge fallen

Jesu Bild, ans Kreuz gespannt, —hochverehrt von pilgcrscharen,

Das vor undenkbaren IahrenLinst im Feld der Pflüger fand.*)

Wie die Sage treu verkündet,

Fand man, wo der Pfad sich rundet,

Nordwärts nach Uerdingen führt, —

Wo drei Bäume Schatten senken,

Auf ein Kreuz zum Angedenken,

Jenes Kreuz, dein Lob gebührt.

Als der Pflug des Lrdrcichs ScholleFurchte, trat das wundervolle

lhcil'ge Kreuz ans Tages Licht.

Freudig hebt empor der PflügerDieses Kleinod, — doch wie trüg' erPelm das drückende Gewicht?

„Mit dem Lasttier nach UerdingenWill den teuern Fund ich bringen",

Dachte, der das Bildnis fand;

Doch von unsichtbar'» GewaltenWird des Rosses Kraft gehalten:

Gottes Wink er gleich verstand.

Und der Landniann wohlberatenLäßt dann ruhen Schar und Spaten,

Trägt den teuern Fund nach Linn,hoch erhöht, du edle Bürde,

Zu des Altars Ruhm und ZierdePrangst du, Frommen zum Gewinn!

Kreuz aus unbekannten Stoffen,

Bild vom Künstler wohlgctroffen,

Der mit höh'rer Gunst begabt!

Wer dies Antlitz je betrachtet,

Steht ergriffen, schmerzumnachtet,

Doch von höherm Licht erlabt.

Durch den Ruf des WunderbarenAngezogene Pilgerscharen —

Sieh'», mit Gnaden reich beschenkt.

Und mit Staunen schaut die Menge,

Daß alljährlich tiefer hänge

Thristi ^anpt zum Grund gesenkt.**)

einer darauf bezüglichen Urkunde erhellt. ) h

Das Linncr Christusbild ist charakteristisch durch das tief herabgesenkte Hauptund den sehr mageren Körper, wodurch es einen besonders wehmutsvollen, ergreifendenLindruck hervorruft. Das Volk erzählt sich, daß der Christuskopf von Jahr zu Jahrsich tiefer neige. Darauf deutet auch die in der Gegend geläufige Redensart beieinem, der sein Haupt traurig senkt: ..Der läßt den Kopf hängen, wie der Linn'scheHerrgott." Der ganze Christuskörper ist von ichwarzbrauncr Holzfarbe und soll der