Druckschrift 
3 (1845)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

es sich bei Niederlegung des Rockes in den Altar um einen offenbarenBetrug handelte, so wäre zunächst nachzuweisen gewesen, daß einesolche That mit dem Charakter Brunos verträglich sei. folgtdann eine höchst lobende Schilderung des Mannes aus den gleich-zeitigen Gesten.

Leider hat der Hr. Doctor zu den Gesten ein ähnliches Ver-hältniß wie zu Clemens von Alexandrien oder den Bollandistcn. Erhat darin gestöbert, und aufgefischt was ihm die Register oder unsreCitate in die Hände lieferten. Aber gelesen hat er sie nicht. Jenelobende Charakteristik bezieht sich auf Brunos erste Regierungsjahre,die Einweihung des Nikolausaltars gehört in die letzten, und vondiesen heißt es in den Gesten ausdrücklich, Bruno habe mit Hintan-setzung der srühern Trefflichkeit sich schnöder Habsucht hingegeben,das Kirchengut an sich gerissen und daraus die Zahl seiner ritter-lichen Vasallen vergrößert. Mit einer solchen Haltung wäre dennein Ncliquicnbctrug um der Opfcrgelder willen schon verträglichgewesen.

Wir jedoch,deren Schrift voll ist, von boshaften und ver-läumderischen Angriffen auf die Einrichtungen und Gebräuche, undnamentlich auf die Vorsteher, die Bischöfe und Priester der kathol.Kirche," wir sind entfernt von dergleichen Folgerungen. Wir habenin unserer Schrift es dahin gestellt gelassen, ob Bruno selbst Betrügeroder Betrogener war, ob er seiner Kirche eine falsche Reliquie auf-gebunden, oder sich eine dergleichen hat aufhandeln lassen. Und an-genommen, er habe den ihm zugekommenen Nock nicht auf dasStrengste geprüft, er habe ihn auf gutes Glück als reinen Gewinnin den Altar gelegt, wie wäre dieses Benehmen zu erklären und zubeurtheilen?

Hr. Clemens sagt unvergleichlich S. 81:es mußte ein ver-nünftiger Beweggrund für diesen Betrug angegeben werden."Wir sind begierig, welche Motive für irgend einen Betrug ihm ver-nünftig vorkommen werden. Er aber ist gar nicht difsicil; er findetnur deshalb die Annahme eines Betrugs schwer wahrscheinlich zu machen,weil Brunodoch gar keinen Vorth eil von demselben gehabt,keine Ausstellung des Nockes veranlaßt, keine Opfer-gelder eingenommen" u. dgl. Hn. Clemens wäre also umgekehrtder Betrug eines katholischen Bischofsunschwer wahrscheinlich zu

'1 Clemens Äorreoe Ii-