Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
57
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des Tempels schrieb, hat richtig gewußt, daß die Priester im Hcstligcn, der Hohepriester im Ailerheiligstcu nur eine leinene Tunicatragen durften; er hat auch noch ein richtiges Bewußtsein des reli-giösen GrundeS dieser Vorschrift gehabt, nur freilich ist die dadurchveranlaßte ursächliche Verbindung ganz verkehrt. Er konnte aber aufdiese nicht kommen, wenn es damals in Palästina irgend gewöhnlichgewesen wäre, daß Männer Leinen trugen, und für diesen Umstand,als für welchen er nach dem Augenschein berichtet, bleibt sein Zeug-niß, mag es übrigens darum stchn, wie es will, gültig. Es kommtin seinen Worten allein auf das »rix cgroüft an: er trug nichtWolle; der Sinn der übrigen ist für unfern Zweck gleichgültig.

Und allerdings ist dies den sonstigen Nachrichten, die wir überden Gebrauch des Lernens haben, angemessen. Die Alten kanntenLeinen hinlänglich, gebrauchten es aber, ganz gegen unsere Gewohn-heit, selten zu Kleidern, sondern zu Segeln, Netzen, Tüchern undandern Zwecken. Nur in Aegypten, wo das eigentliche Vaterlanddes Flachsbaues zu sein scheint, ebenso in Babylonicn, und anders-wo, wo der Boden seinem Anbau besonders günstig war und nichtzur Viehzucht gebraucht wurde, war es als Stoff der Unterkleidungallgemeiner. In Palästina ward allerdings Flachs gebaut, z. B.

besonderes gewesen." Vollkommen richtig, der Schluß macht der Lo-gik des Hn. Hr. alle Ehre. Fährt er aber fort:und daraus folgtwieder eben so unmittelbar, daß bei den Hebräern auch Andere, außerden Priester», leinene Kleider trugen oder wenigstens daS Recht zun:Tragen derselben hatten," so hat hier die Logik ein Bciu gebrochen ; dennwenn auch andere Nichtpriester (und daß diese, nicht die lcinentragcudcnPriester den Gegensatz bilden, zeigt das ob-- Leinen trugen, so

wäre diese Tracht bei Jakobns ja eben nichts besonders gewesen. VomRecht, Leinen zu tragen, handelt es sich weder in den: einen nochandern Fall: das Recht war unbestritten, es fragt sich hier nur, wasSitte und Gewohnheit war.

1) ES könnte auffallend sein, daß wir nicht von Baumwolle reden, vonder unsere archäologischen Compcndicn so viel zu sagen wissen. AberBaumwolle war damals durchaus noch nicht im allgemeinen Gebrauch,worüber wir der Kürze wegen auf Bohlen, Abhaudl. der d. Gcsellsch. zuKöuigsb. I, st. verweisen. Die früheren Annahmen beruhen vor-nehmlich auf dem nun erkannten Jrrthum, daß die ägyptischen Mumicn-bandagen Baumwolle seien, und aus falschen Etymologien, und sind be-sonders durch Försters Buch clo llpsso 177g allgemein geworden. Ei»Hauptgrund, daß nämlich das koptische slrens Baumwolle bedeute undmit dem hebräischen slivslr identisch sei, muß auch wegfallen; dennPcyron hat s. v. für sirons auch die Bedeutung llngvllnm nachgewie-sen, wobei Niemand an Baumwolle denken wird-

2) Die bekannte Nachricht Herodots II, LI ist einem Theil ihres Inhalts