Predigt am sechs und zwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. 207
than habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, dashabt ihr mir gethan :c.
Hier stehe du nun zu, daß du seyest bey denen, die da umChristi willen hier gütig und barmhertzig sind, oder selbst leiden,so kannst du mit Freuden des Jüngsten Tages erharren, unddarfst dich nicht für dem Gerichte fürchten; denn er hat dich all-bereit heraus gezogen, und geordnet unter die, so zu seiner Rech-ten stehen sollen.
Denn wir, so Christen sind, sollen ja deß hoffen, und vonHertzen begehren, daß biß Gerichte komme; wie wir denn auchdarum beten- Dein Reich komme, und dein Wille geschehe: er-löse uns von dem Bösen, ?c. auf daß wir den fröhlichen liebenSpruch hören: Kommet her, ihr Gebenedeyeten, in meines Va-ters Reich. Deß Urtheils gewarten wir; denn wir ja auch dar-um Christen sind, und eben um dieser Hoffnung willen so treff-lich gedrücket werden, erstlich vom Teufel und unserm eigenenFleische, welche uns biß nicht lassen glauben und freuen; darnachauch von der Welt Tyranney und Feindschaft, und müssen allent-halben sehen und hören den Muthwillen, so der Teufel und dieWelt treiben wider das Evangelium, und so viel Jammers aufErden, daß wir ja diesesLebens sollten müde werden, und schreien.-Komm, lieber Herr, komm, und erlöse uns!
Solche Hertzen werden ja gewißlich seyn, die des RichtstulsChristi fröhlich und mit gutem Gewissen gewarten; denn sie jain dem Stande und Gemeinschaft sind derer, die an Christumglauben, und die Früchte des Glaubens beweisen durch Liebe undGutthat gegen den Armen, oder Geduld, so sie mit denselben lei-den. Denn, wie ich gesagt habe, wer den Glauben nicht hat,der wird die Wercke der Barmhertzigkeit an den Christen nichtthun; wer sie aber thut, der thut sie daher, daß er glaubt, erhabe einen treuen Heyland und Erlöser an Christo, der ihn mitGott versöhnet; darum muß er auch ein gütig, freundlich Hertzhaben gegen seinem Nächsten, auch seinen Feinden, und ihnendienen, wo er sie stehet Noth leiden. Ja er leidet auch selbst,(wie jetzt gesagt,) was ihm über seinem Glauben widerfahret vomTeufel und der Welt. Wer nun also gesinnet ist, sage ich, dersey nur fröhlich und gutes Muths; denn er hat schon hinwegdas selige, fröhliche Urtheil: Komme her, du Gebenedeyeter?c.denn du bist auch einer gewesen meiner geringsten Brüder, dieda selbst Hunger und Durst gelitten, oder ja den andern Hun-