208 Predigt am sechs und zwanzigsten Sonntage nach Trinitatis.
grigen und Durstigen :c. gedienet haben und Barmhertzigkeit er-zeiget, wie ich dir gethan habe.
Siehe, also ist schon in diesem Leben der Unterscheid gema-chet, beyde, der Schafe und Böcke, daß es ein jeder wohl kannKey ihm selbst gewahr werden, und muß sich auch auswendigspüren und mercken lassen. Denn die da nicht den Glauben ha-ben, die thun gewißlich der keines, trösten sich weder der GnadeChristi, noch gedencken Barmhertzigkeit zu üben; gehen also beyde,vor Gottes Wort und ihrem Nächsten hin, als sehen und hörensie nichts; wollen nichts davon wissen, daß es der Herr sey, demsie damit dienen sollten, und er solches von ihnen fordern werde.Denn wenn sie daran gedachten, daß sie sterben und vor diesenNichtstuhl müßten, so würden sie freylich ja zu der Zeit niemandum keinen Heller unrecht thun; aber dafür ist gut, daß sie denTod aus den Augen setzen, und ihr Hertz nimmermehr daran ge-dencket.
Wie gehet aber das zu, daß die Gerechten solches nicht er-ke nnen und wissen, daß sie Christo solches gethan haben? Wie siesprechen: Herr, wenn haben wir dich gesehen hungrig oder dur-stig? ?c. Freylich darum, daß es zu gar gering Ansehen hat, daßdiß sollte vor Gott so köstlich seyn, was man etwa einem armenPfarrherrn, Caplan, Schulmeister, Küster gibt. Ja, die Welthalt es für eitel verloren Geld; und muß doch jedermann sagen.-Wenn kein Predigtstuhl, Schulen, Spital gehalten würden, waswäre die Welt reicher, oder was ist sie jetzt desto armer? ohn daßsie lauter Heyden waren; oder müßten, wie bisher, ins TeufelsNamen denen genug geben, und sich bis auf den Grad schindenlassen, die sie um Leib und Seel betrogen. Summa, es ist jadas allerwenigste und geringste, das Kirchen und Schulen vonder Welt krigen; noch machet es so scheele Augen, und beschweretsie so hoch, daß sie allein darüber schreyen, was dieselben haben,dazu sie doch selbst nichts überall geben, daß sie es viel besser an-gelegt! halten, wo sie sonst hundertmal so viel unverschämten,losen Lotterbuben, Gäucklern, geben; ja, wol ehe können verges-sen, was sie Bruder Veiten mit Gewalt müssen rauben und neh-men lassen, und dazu ihnen die Haut lassen voll schlagen. Sogar gehet es der Welt nicht ein, daß sie sollte gläuben oder ge-dencken, daß es Heisse Christo selbst gegeben, ja, wir können esauch selbst nicht also ansehen.