Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

Predigt am Sonntage Quinquagestmä.

W

desto starcker im Glauben würden, wenn sie daran gedachten, daßer solches zuvor gesagt hatte, und williglich sich dahin begebenhatte zum Leiden, und nicht durch Gewalt noch Witz der Jüden,seiner Feinde, gecreutziget würde, wie denn Esaias c. 53, 7.lange zuvor auch verkündiget hatte, daß er würde williglich undgern sich opffern lassen, auch der Engel desselbigen die Weiber ver-mahnet am Ostertage, Luc. 24, 6., daß sie dieser Worte solltengedencken, das er jetzt hier saget, auf daß sie wüßten und destovester glaubten, wie er mit Willen solches gelitten hatte, uns zugut. Und diß ist der rechte Grund, wohl zu erkennen ChristiLeiden, wenn man nicht allein sein Leiden, sondern sein Hertzund Willen zum Leiden erkennet und begreifst. Denn wer seinLeiden also anstehet, daß er nicht seinen Willen und Hertz darin-nen stehet, der muß vielmehr dafür erschrecken, denn sich seinfreuen. Siehet man aber sein Hertz und Willen darinnen, somacht es rechten Trost, Zuversicht und Lust zu Christo. Darumpreiset auch solchen Willen Gottes und Christi im Leiden der 40.Pf. v. 8. 9., da er spricht: Im Buch ist von mir geschrieben, daßich deinen Willen thun soll, mein Gott, ich thue es auch gerne.Darüber spricht die Epistel zu den Ebraern 10, 10: Durch sol-chen Willen sind wir alle geheiliget; spricht nicht, durchs Leidenund Blut Christi, welches doch auch wahr ist, sondern durch denWillen Gottes und Christi, daß sie beyde eines Willens gewesensind, durchs Blut Christi uns zu heiligen. Solchen Willen zumLeiden zeiget er auch hier an im Evangelio, da er zuvor verkün-diget, er wolle hinauf gen Jerusalem, und sich creutzigen lassen;als sollte er sagen.- Sehet an mein Hertz, daß ich es williglich,ungezwungen und gerne thue, auf daß ihr dafür nicht erschrecketnoch euch entsetzet, wenn ihr es nun sehen werdet, und euch dün-cken wird, ich thue es ungerne, müsse es thun, sey verlassen,und die Juden thun es mit ihrer Gewalt. Aber diese Rede ver-stunden die Jünger nicht, spricht er, und das Wort war ihnenverborgen. Das ist so viel gesagt: Vernunft, Fleisch und Blutkann es nicht verstehen noch fassen, daß die Schrift davon solltesagen, wie des Menschen Sohn müßte gecreutziget werden, vielweniger verstehet sie, daß solches sein Wille sey und es gernethue; denn sie glaubet nicht, daß es uns noth sey, will selbstmit Wercken vor Gott handeln; sondern Gott muß es durch sei-nen Geist offenbaren in Hertzen, über das, daß es äußerlich mitdem Wort verkündiget wird in die Ohren; ja, auch denen es derGeist inwendig offenbaret, glaubens gar schwerlich und zappeln

iP«!