48 Predigt am Sonntage Septuagesimä.
daß alle, so an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern dasewige Leben haben. Man halte aber diese Gedancken gegen jene,so aus der vorigen Meynung wachsen, so wird man finden, daßjene Gedancken des leidigen Teufels Gedancken sind, da ein Menschüber geärgert muß werden, und entweder verzweifeln oder garverwesen und gottlos werden; denn er kann sich zu Gott nichtsGuteS versehen.
Etliche schöpffen ihnen andere Gedancken und deuten dieWorte also: Viel sind beruffen, das ist, Gott beut seine Gnadevielen an, aber wenig sind auserwahlet, das ist, er lasset abersolche Gnade wenigen widerfahren; denn es werden ihr wenigselig. Das ist zumal ein gottloser Verstand. Denn, wie kannsmöglich seyn, wenn einer von Gott nichts anders halt und glaubt,daß er Gott nicht sollte darum feind werden, an deß Willen esallein fehlet, daß wir nicht alle selig werden? Man halte aberdiese Meynung gegen jene, die sich findet, wo man am ersten denHerrn Christum erkennen lernet: so wird man befinden, daß eseitel teufelische Gotteslästerungen sind.
Derhalben hats weit eine andere Meynung mit diesemSpruch - Viel sind beruffen zc. ? denn die Predigt des Evangeliigehet insgemein und öffentlich, wer es nur hören und annehmenwill, und Gott laßts auch darum so gar gemein und öffentlichpredigen, daß es jedermann hören, glauben und annehmen soll,und selig werden. Aber wie gehcts? Wie hernach im Evangeliofolget: Wenig sind auserwahlet; das ist, wenig halten sich alsogegen das Evangelium, daß Gott ein Wohlgefallen an ihnen hat.Denn etliche Hörens und achtens nicht; etliche Hörens und haltennicht vest dran, wollen auch nichts drüber zusetzen noch leiden;etliche Hörens, nehmen sich aber mehr um Geld und Gut undweltliche Wohllust an. Das gefällt aber Gott nicht, und magsolcher Leute nicht. Das Heisset Christus, nicht auserwählet seyn,das ist, sich nicht so halten, daß Gott einen Gefallen an ihnenhätte. Das aber sind Auserwählete und Gott wohlgefällige Leute,die das Evangelium fleifsig hören, an Christum gläuben, denGlauben mit guten Früchten beweisen und darüber leiden, wassie sollen leiden. Dieser Verstand ist der rechte Verstand, derniemand argern kann, sondern bessert die Leute, daß sie gedencken.-Wohlan, soll ich Gott Wohlgefallen, und auserwahlet seyn, sowird sichs nicht leiden, daß ich in bösem Gewissen leben, widerGottes Gebot sündigen, und der Sünde nicht wehren wollte:sondern ich muß zur Predigt gehen, Gott um seinen Heiligen