Predigt am dritten Sonntage nach Epiphania. 4l
ja ein lauter rein Werck sey der freyen gütigen Liebe. Das istes, das ich nun oft gesagt habe, wie der Glaube mache uns zuHerren, die Liebe zu Knechten; ja, durch den Glauben werdenwir Götter und theilhaftig göttlicher Natur und Namen, wiePs. 82, 6. spricht: Ich habe wohl gesagt, ihr send Götter undallesammt Kinder des Allerhöchsten. Aber durch die Liebe werdenwir den allerarmsten gleich. Nach dem Glauben dürfen wir nichtsund haben volle Gnüge; nach der Liebe dienen wir jedermann.Durch den Glauben empfahen wir Güter von oben, von Gott;durch die Liebe lassen wir sie aus von unten, zum Nächsten.Gleichwie Christus nach der Gottheit nichts bedurfte, aber nachder Menschheit jedermann diente, der sein bedurfte.
Das andere Exempel ist eben diesem gleich, so viel es Glau-ben und Liebe trifft. Denn dieser Hauptmann hat auch eineherzliche Zuversicht zu Christo und bildet für seine Augen nichtsanders, denn eitel Güte und Gnade Christi, sonst wäre er nichtzu ihm gangen, oder hätte nicht zu ihm gesandt, wie Lucas c.7, 3. sagt. So hätte er auch solche verwegene Zuversicht nichtgehabt, wo er nicht zuvor hatte von Christi Güte und Gnadegehöret, daß also auch hier das Evangelium der Anfang und Nu-tzung ist seiner Zuversicht oder Glaubens. Darum wir abermallernen, daß man am Evangelio muß ansahen und demselbigenglauben, und auf kein Verdienst noch Wercke sehen, wie auchdieser Hauptmann kein Verdienst noch Werck fürwendete, sondernallein seine Zuversicht auf Christi Güte. Daß wir also sehen,wie alle Wercke Christi Exempel des Evangelii, Glaubens undder Liebe fürhalten. So sehen wir auch das Exempel der Liebe,daß ihm Christus wohlthut, umsonst, ohne alles Gesuche undGcschenck, wie droben gesagt ist. Ueber das zeiget der Haupt-mann auch der Liebe Exempel, daß er sich seines Knechtes an-nimmt, als sein selbst; gleichwie sich Christus hat unser angenom-men, und thut auch umsonst das gute Werck an ihm, allein demKnecht zu gut, als Lucas sagt, c. 7, 2., er Hab es darum ge-than, daß ihm derselbige Knecht lieb und Werth war; als sollteer sagen: Liebe und Lust treibt ihn, die er zu ihm hatte, daß erseine Noth ansähe und solches that. So laßt uns auch thun undzusehen, daß wir uns nicht selbst betrügen und düncken lassen,wir haben nun das Evangelium, und achten doch nicht auf denNächsten in seiner Noth.