Predigt am ersten Sonntage nach Epiphania.
Welt. Bey Freunden und Bekannten ist er gewesen, und zuwem er kommen ist; aber nimmt sich desselben gantzen weltlichenWesens nichts an-, ohne daß er als ein Gast dadurch wallet, undzu seines Leibes Nothdurft desselben gebraucht, wartet allein deß,das des Vaters ist, (das ist, des Worts,) da will er sich findenlassen, da muß man ihn suchen, wer ihn recht treffen will. Dasist es nun, das ich gesaget habe, daß Gott nicht will leiden, daßwir uns sotten auf etwas anders verlassen, oder mit dem Hertzenbangen an etwas, das nicht Christus in seinem Wort ist, es seywie heilig und voll Geistes es wolle. Der Glaube hat keinenandern Grund, darauf er bestehen könne. Darum widerfahretsolches der Mutter Christi und Joseph, daß ihre Weisheit, Ge-dancken und Hoffnung fehlen müssen, und alles verloren ist, dasie ihn lange suchen von einem Ort zum andern. Denn sie su-chen ihn nicht, wie sie sollen, sondern wie Fleisch und Blut pfle-get, welches immer nach anderm Trost gaffet, denn des Wortes;denn es will allezeit etwas haben, das es sehe und fühle und mitSinnen und Vernunft daran hangen könne. Darum laßt sieGott auch stncken und fehlen, auf daß sie solches müssen lernen,daß aller Trost bey Fleisch und Blut, bey Menschen und allenCreaturen, nichts, und keine Hülfe noch Rath sey, es sey denndas Wort ergriffen. Hier muß alles gelassen seyn, Freunde, Be-kannte, die gantze Stadt Jerusalem, alle Kunst, Witz, und wassie selbst und alle Menschen sind; denn das alles gibt und hilftzu keinem rechten Trost, bis man ihn im Tempel sucht, da erin dem ist, das des Vaters ist. Da findet man ihn gewißlich,und kriegt das Hertz wieder Freude; sonst müßte es trostlos blei-ben, von ihm selbst und allen Creaturen. Also, wenn uns Gottin solche hohe Anfechtung wollte kommen lassen, sollen wir auchlernen, daß wir alsdcnn nicht unfern eigenen Gedancken nochmenschlichem Rath folgen, die uns hin und her, aus uns selbstoder andere weisen; sondern dencken, daß wir Christum suchenmüssen in dem, das des Vaters ist, das ist, das wir uns schlechtund bloß an das Wort des Evangelii halten, welches uns Chri-stum recht zeigt und zu erkennen gibt. Und lerne nur in dieserund allen geistlichen Anfechtungen, so du willst andere oder dichselbst recht trösten, also mit Christo sagen.- Was ist es, daß duso hin und wieder laustest, dich selbst so zumarterst mit angstigenund betrübten Gedancken, als wolle Gott dein nicht mehr, undals sey kein Christus zu finden, und willst nicht ehe zufriedenseyn, du findest ihn denn bey dir selbst, und fühlest dich heilig