Predigt am ersten Sonntage nach Epiphania. 3t
da gehören nur grosse, hohe Geister, und sonderliche Gnade undStarcke dazu, daß man es könne ertragen.
Denn, warum laßt Gott solches seinen Liebsten widerfah-ren? Freylich nicht ohn Ursach, und geschieht ja nicht aus Zornoder Ungnade, sondern aus grosser Gnade und Güte, damit unszu zeigen, wie er es in allen Stücken freundlich und vaterlich mituns meyne, und wie treulich er für die Seinen sorget, und siealso regieret, daß sich ihr Glaube immer je mehr und mehr übe,und je starcker und starcker werde. Sonderlich aber thut ers umfolgender Ursachen willen. Zum ersten, daß er die Seinen be-wahre wider die Vermessenheit, auf daß die grossen Heiligen, diesonderliche hohe Gnade und Gaben von Gott haben, nicht darauffallen, und sich auf sich selbst verlassen. Denn wenn sie allezeitso starck im Geist waren, und nichts anders, denn eitel Freudeund Süssigkeit sollten fühlen, möchten sie zuletzt in die leidigeTcuscls-Hoffart gerathen, die Gott verachtet, und aus sich selbsttrotzen. Darum muß es ihnen also gesaltzen und gemenget wer-den, daß sie nicht immerdar eitel Starcke des Geistes fühlen, son-dern unterweilen ihr Glaube zappelt, und ihr Hertz zaget, aufdaß sie sehen, was sie sind, und bekennen müssen, daß sie nichtsvermögen, wenn sie Gott nicht durch seine lautere Gnade erhalt.Also behalt er sie in der Demuth und Erkenntniß ihrer selbst,daß sie nicht stoltz noch sicher werden auf ihren Glauben und Hei-ligkeit, wie St. Petro geschah, da er sich vermaß, für Christumsein Leben zu lassen, Joh. 14. 37.
Also bekennet der Prophet David, daß er auch habe solchesmüssen lernen, im 30. Psalm v. 7. 8: Ich sprach, da mirswohl ging, ich werde nimmermehr darnieder liegen; aber da dudein Antlitz verbärgest, erschrack ich. Und St. Paulus 2 Cor.l, 8. 9. klaget, was für ein groß Leiden er in Asi'a ausgestandenhabe, da er spricht: Wir wollen euch nicht verhalten, liebenBrüder, unsere Trübsal, die uns in Asi'a widerfahren ist, da wirüber die Maassc beschweret waren und Übermacht, also, daß wiruns des Lebens erwggten, und bey uns beschlossen hatten, wirmüßten sterben. Das geschah aber darum, daß wir unser Ver-trauen nicht auf uns selbst stellen, sondern auf Gott, der dieTobten auserweckct. Und 2 Cor. 12, 7. 9. sagt er, daß ihmgegeben sey ein Psal ins Fleisch, des Satans Engel, der ihn mitFausten schlüge, auf daß er sich nicht der hohen Offenbarunguberhübe; und Gott Habedenselben nicht von ihm nehmen wollen,ob er wol dreymal darum geflehet, sondern habe sich des Trostes