30 Predigt am ersten Sonntage nach Epiphania.
Glauben stund, und in demselben die Stadt Jericho gewonnenund geschlagen hatte, begab stchs, daß sie nicht mehr denn dendrev tausend Mann aus ihrem gantzen Volck an die Stadt Airichteten, die sie gewinnen und schlagen sollten; da waren sieauch stoltz und keck, weil die Stadt klein und der Feinde wenigwaren. Aber da sie hinzu kamen, wendete sich es plötzlich, daßsie verzagt wurden, und den Feinden den Rücken kehreten undflohen, da ihr doch nicht mehr denn nur zwei) und dreyßig ge-schlagen waren, und Josua selbst der Much entfiel und sanck zurErden, und lag den gantzen Tag auf dem Angesicht, klagte undschrye zu Gott: Ach Herr, warum hast du uns über den Jordangeführet, und willst uns in der Feinde Hände geben? O daßwir nie hieher kommen waren w. Siehe, da liegt der grosse,streitbare Held darnieder mit seinem Glauben, der doch GottesWort so starck hatte, daß ihn Gott selbst muß wieder aufrichten.Was macht ihn denn jetzt so verzagt? Niemand, denn daß sichGott, ihn zu versuchen, vcrbirget und also das Hertze nimmt,auf daß er lerne und erfahre, was der Mensch sey und vermöge,wenn Gott die Hand abzeucht. Solch Leiden ist über alle Maasseschwer und der Natur untrüglich; darum schreven und klagen dieHeiligen darinn angstiglich und jämmerlich, wie solches Klagensim Psalter viel ist, als Ps. 3t, 23.- Ich sprach in meinem Za-gen, ich bin von deinen Augen Verstössen; das ist: ich wußte undfühlete nichts anders, denn daß mir mein Hertz sagte, Gott Wittdein nicht :c. Und wenn sie Gott nicht durch seine Kraft erhielte,und ihnen wieder heraus hülfe, so müßten sie darinnen gar zurHöllen sincken, wie auch Ps. 94, 17. sagt: Wo der Herr mirnicht hülfe, so läge meine Seele bereits in der Hölle :c. Darumist diese heilige Jungfrau drey Tage über eine rechte Märtvringewesen, und/sind ihr viel schwerer worden, denn keinem andernHeiligen seine ausserliche Pein und Marter worden ist, und kommtvon ihres Sohnes wegen in solche Angst, daß sie keine bitterereHölle könnte leiden. Denn biß ist die größte Marter und Weh"über alles Leiden, wo das Hertz angegriffen und gequälet wird.Andere Leiden sind noch alle erträglicher, so dem Leibe widerfah-ren; ja, es kann in solchem wohl das Hertz fröhlich senn, daß esalles ausserliche Leiden verachtet, wie man von St. Agnes undanderen Märtyrinnen liefet. Das ist fein getheilet und nur halbgelitten, da allein dem Leibe weh geschiehet, aber das Hertz undSeele voller Freuden bleibet; aber wo das Hertz allein tragen soll,