Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am ersten Sonntage nach Epiphania.

23

' ^ jv

dm m

ihm dem Hertzen eingibt; also, daß unser Gewissen fühlet, eShabe ihn verloren, und alsdenn zappelt und zaget, als sev es eitelZorn und Ungnade gegen ihn, die wir mit unfern Sünden ver-dienet haben. Ja, ob es auch nicht von öffentlichen Sündenweiß, so kann doch der Teufel Sünde machen auch aus dem, dasnicht Sünde ist, und also das Hertz treiben und angsten, daßsichs mit solchem Gedancken zuplaget: Wer weiß, ob dich Gottauch haben und Christum dir gönnen will? Gleichwie allhier dieliebe Mutter zweifelt, ob er sie langer zu einer Mutter habenwolle, und solch Gewissen fühlet, als habe sie den Sohn mitihrem Unfleiß verwahrloset und verloren, so sie doch deß nichtschuldig, als er denn auch nicht verloren ist. Also spricht dasHertz auch in solcher Anfechtung: Ja, Gott hat dir wohl bishereinen feinen Glauben gegeben, nun aber will er ihn vielleichtnicht mehr geben; das hast du mit diesem oder jenem verdienet.Und biß ist eben die schwereste und höchste Anfechtung und Leiden,damit Gott zuweilen seine hohe Heiligen angreifst und übet, dades Menschen Hertze nicht anders fühlet, denn als habe ihn Gottmit seiner Gnade verlassen und wolle sein nicht mehr, und wo ersich hinkehret, stehet er nichts, denn eitel Zorn und Schrecken.Aber solche hohe Anfechtung leidet nicht jedermann, und verstehetsie auch niemand, ohn wer sie erfahret; es gehören gar starckeGeister dazu, solche Püffe anszuhalten. Doch wird solch Exem-pel uns vorgehalten, daß wir daraus lernen, wie wir uns haltenund trösten sollen in unfern Anfechtungen, und uns auch dazurüsten, ob uns Gott einmal mit solchem oder dergleichen hohenAnfechtungen angreifen wollte, daß wir darum nicht so bald ver-zagen. Denn es ist nicht um dieser Jungfrauen, der MutterChristi, sondern um unsertwillen geschrieben, aus daß wir daranbepde, Lehre und Trost, haben.

Darum sind dergleichen Exempel von solchen hohen Anfech-tungen der großen Heiligen mehr in der Schrift; als ohn Zweifelgewesen ist des heiligen Patriarchen Jacobs, davon 1 Mos. 32, 24.geschrieben, wie er eine gantze Nacht mit dem Engel rang. Item,dergleichen von Josua c. 7, welchem Gott hatte so grosse undstarcke Verheißung gethan, daß er sollte die Heyden, so ihm wi-derstehen würden, alle vertilgen; vermahnet ihn dazu selbst, undverheißet ihm, daß er nur getrost und unverzagt sey, denn erwolle selbst bey ihm seyn w.; und er auch auf solche Verheißungfreudig hinan ging und getrost drein schlug, und grossen Sieghatte. Was geschah aber? Eben da er in solchem Muth und