Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
28
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.28 Predigt am ersten Sonntage nach Epiphania.

gegen diese, daß sie diß Kind, Gottes Sohn und der Welt Hei-tand, so übel verwahrloset und verleuret? Und wo er wäre ver-loren blieben, oder (weil er nicht konnte verloren seyn,) Gott.ihn wieder zu sich genommen hatte, so wäre sie eine Ursache ge-wesen, dadurch das Werck der Erlösung der Welt verhindert wäre.Solches und viel mehr ist ihr ohn Zweifel eingefallen, und hatihr Hertz auf das höchste erschreckt, wie ohne das das Gewissenein zart Ding ist, und sie, als ein frommes Kind, sehr ein zärt-lich Herz und Gewissen gehabt hat. Da stehest du, wie Gottmir der hohen heiligen Person, der Mutter seines Sohnes, han-delt, daß, ob sie wohl auf das höchste von ihm geehret ist, undalso die Freude von dem Sohn über die Maaß groß gewest ist,als nie keine Mutter gehabt hat, noch greifst sie Gott also an,und muß des Ruhms und Trostes so gar entblösset werden, daßsie nun nicht kann sagen: Ich bin des Sohns Mutter. Zuvorwar sie bis in den Himmel erhaben, jetzt liegt sie plötzlich in dertiefen Hölle und in solchem Schrecken und Hertzeleid, daß siemöchte verzweifelt und gestorben seyn, und gewünschet haben, siehätte des Kindes nie gesehen, noch von ihm gehöret, und alsogrössere Sünde thun, denn je kein Mensch gethan hat. Siehe,also kann Gott mit seinen Heiligen handeln, daß er ihnen ihreFreude und Trost nimmt, wenn er will, und eben damit zumhöchsten schrecken läßt, davon sie ihre höchste Freude haben. Wieer auch wiederum davon kann die größte Freude geben, das unsam meisten erschrecket. Denn diß ist dieser heiligen Jungfrauenhöchste Freude gewesen, daß sie dieses Kindes Mutter worden war,jetzt aber hat sie kein grösser Schrecken und Hertzeleid, denn ebenvon diesem Sohn. Also haben wir kein grösser Schrecken, dennvon Sünde und Tod; doch kann uns Gott darinnen also trösten,daß wir uns dürfen rühmen, wie St. Paulus Röm. 5, 20. 21.saget, daß die Sünde hat eben dazu müssen dienen, auf daß dieGnade desto größer und überschwenglicher würde; und der Tod,in Christo überwunden, macht, daß wir auch begehren todt zuseyn, und mit Freuden sterben. Also auch wiederum, wenn unsGott hat einen feinen Glauben gegebeil, und daher gehen in star-cker Zuversicht, daß wir einen gnadigen Gott haben durch Chri-stum, da sind wir im Paradies. Aber ehe wir uns versehen,kann sichs wenden, daß uns Gott das Hertze entfallen lässet, daßwir meynen, er wolle uns den Herrn Christum aus dem Hertzenreissen, und uns also zugedeckt wird, daß wir an ihm keinen Trostkönnen haben, sondern der Teufel eitel schreckliche Gedancken von