Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
VIII
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Vorwort.

scheinen müssen, der sie aus der lauteren Quelle des göttlichenWortes selbst, mit demuthsvoller Verleugnung gepriesener Mei-nung und verderbter Neigung, schöpfet, um durch solche Dar-stellung den Glauben daran aufs Neue zu begründen undgegen die Stürme unserer Zeit zu befestigen. Diese mögenwehen, woher sie wollen, sei es aus dem erstarrenden Nordendes Unglaubens und der Zweifelsucht, oder aus dem versen-genden Süden des Mysticismus und der Schwärmerei: dersanfte Hauch des göttlichen Wortes mildert die Kalte, wie dieGluth, und schaffet den Früchten des Geistes, welche sindLiebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit,Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit (Gal.5, 22), freudiges Wachsthum und Gedeihen.

So umschlinget denn auch die Festhaltung an dem ge-offenbarten Worte alle Christen mit dem Bande der brüder-lichen Eintracht und Liebe, und durchbricht die Scheidewand,die sie, getheilt in Confessionen und Secten, trennte. Daßsolche entstanden, war die Folge der Schwachen der Menschen,deren blödes Auge nur zu oft von dem leitenden Sterne sichabwendet, und die nun, einen andern Punct im Gesichte, dengeraden Weg verlassen, und so, je langer, desto mehr, ihrenMitbrüdern entfremdet werden. Die ehrwürdigen Reforma-toren des sechzehnten Jahrhunderts unterlagen, mehr oderminder, dieser allgemeinen menschlichen Schwachheit, und ihreNachkommen machten dieselbe verderblich, indem sie die Ver-nunft zur Schiedsrichterin erhoben, oder an dem Worte ih-rer Vorganger hingen, anstatt gemeinschaftlich zum festen,prophetischen Worte zurückzukehren. Die Annäherung der solange getrennten protestantischen Kirchen an einander in un-serer Zeit ist eine erfreuliche Folge von der Rückkehr derMenschheit zur Offenbarung, so wie darauf allein die Hoff-nung des Entstehens und Bestehens einer allgemeinen evan-gelischen Kirche gegründet werden kann. Fürchten wir nicht,